New Clues von den Autoren des Cluetrain Manifesto

1999 veröffentlichten die 4 Autoren Christopher Locke, Rick Levine, David Weinberger und Doc Searls das Cluetrain Manifesto. Es war der Versuch, Mainstream Medien und Marketing Leuten zu erklären, dass sie keine Ahnung haben, wie das Web funktioniert und gleichzeitig darzulegen, worin die Möglichkeiten der Kommunikation im Netz für uns alle bestehen.

Sie formulierten 95 provokante Thesen, um zu zeigen, dass das Zeitalter der Massenkommunikation vorbei ist und sich die Machtverhältnisse zwischen Unternehmen und Kunden zugunsten letzterer verschoben haben. Das Web war von Anfang an ‘social’, auf die direkte Kommunikation und globale Gespräche ausgerichtet. Die Teilnehmer der vernetzten Märkte hatten immer weniger Respekt für humorlose, monotone Marketing-Sprechblasen. Weiterlesen

Advertisements

Die Zukunft der Innovation: Über 350 Experten teilen ihre Hoffnungen und Visionen

The Future of Innovation ist ein Projekt, das aus einer Website und einer Community von über 350 führenden Denkern aus 60 verschiedenen Nationen und allen relevanten gesellschaftlichen Bereichen besteht. Ziel ist, gemeinsam die Zukunft der Innovation zu erforschen.

Die individuellen Beiträge der Mitwirkenden werden fortlaufend auf der Website veröffentlicht. Kommentarfunktionen sollen eine direkte Kommunikation und Diskussion mit den Autoren ermöglichen. Alle Beiträge stehen online; eine Auswahl daraus wird  im November 2009 als Buch herauskommen.

Entstanden ist dieses Projekt, das sich ein bischen als als ‘wikipedia’ for the next frontier of innovation versteht, im Nachgang zur ISPIM 2008 Konferenz. Anna Trifilova interviewte für den Konferenzbericht zwei Keynote Speaker der Konferenz, John Bessant und Bettina von Stamm zum Thema Zukunft der Innovation und stellte erstaunt fest, dass beide recht unterschiedliche Meinungen dazu äußerten.

Daraus entwickelte sich in weiteren Gesprächen zwischen Anna Trifilova und Bettina von Stamm die Idee, zu erfahren, was auch andere Vordenker aus der ganzen Welt zu diesem spannenden Thema zu sagen haben. Wer übrigens noch einen eigenen Beitrag dazu leisten will, kann das hier tun.

Zum Abschluß einige Lesebeispiele, von mir ausgesucht anhand des Keyword Index:

Elisabeth Plum: “The Future Of Innovation Depends On Our Cultural Intelligence”

Gilles Toulemonde: “The Future Of Innovation … Management Software”

Cheryl Perkins: “Future Of Innovation … Personal Passion And Strategic Collaboration”

Henry Tirri: “The Future Of Innovaiton … Innovation As A Corporate Activity”

Anja Maier: “The Future Of Innovation: Orchestrating Ideas Through Communication”

[via Putting people first]

Technorati Tags:

Kevin Kelly und die Zukunft des Web

Das (öffentlich zugängliche) Web ist gerade mal 15 Jahre alt. Niemand konnte sich in seiner Anfangszeit auch nur im Entferntesten vorstellen, welch rasante Entwicklung dieses Medium nehmen würde. Der Autor, Herausgeber und Verleger Kevin Kelly versucht, das eigentlich Unmögliche, nämlich die zukünftige Evolution des Web zu antizipieren.

Kevin Kelly @ TED Talks

In seinem inspirierenden TED Talk Predicting the next 5,000 days of the web, aufgenommen im Dezember 2007, benutzt er verschiedene Analogien und Metaphern, um die sich entfaltende Natur des Web zu beschreiben: ein globaler Verstand, eine große Maschine, die ohne Unterbrechung funktioniert; ein riesiger Organismus, in dem das Atomare und das Digitale konvergieren; das Internet of Things, in dem nicht mehr nur Seiten, sondern Objekte, Daten und Ideen verlinkt sind; das Eine, in dem letztendlich alles miteinander verbunden ist.

Auf seinem Blog The Technium führt er diese Überlegungen in zwei aktuellen Artikeln weiter aus. In Cloud Culture beschreibt er die Entwicklung hin zur Cloud World, wo alle unsere Arbeiten und Daten, egal auf welchen Geräten produziert, in einem omnipräsenten Web gespeichert sind.

In the future, the cloud and cloud intelligence will be our Golden Compass demons. Separation from the advice and comfort afforded by the cloud will be horrendous and unbearable. […]

If McLuhan is right that tools are extensions of our selves — a wheel an extended leg, a camera an extended eye — than the cloud is our extended soul.  Or, if you prefer, our extended self.

In Evidence of a Global SuperOrganism stellt er die Hypothese auf, dass sich durch die Vernetzungsmöglichkeiten des Internet und aller angeschlossenen Rechnerkapazitäten ein globaler Superorganismus entwickelt, der auf dem Weg ist, ein autonomes Bewußtsein hervorzubringen.

It in a certain way it already is. Whenever you are online, whenever you click on a link, or create a link, your processor is participating in the yet larger cloud, the cloud of all computer chips online. I call this cloud the One Machine because in many ways it acts as one supermegacomputer. […]

This megasupercomputer is the Cloud of all clouds, the largest possible inclusion of communicating chips. It is a vast machine of extraordinary dimensions. It is comprised of quadrillion chips, and consumes 5% of the planet’s electricity. It is not owned by any one corporation or nation (yet), nor is it really governed by humans at all. Several corporations run the larger sub clouds, and one of them, Google, dominates the user interface to the One Machine at the moment.

Mich erinnert das vom Ansatz her an Teilhard de Chardin’s Konzept der Noosphäre, das der oben zitierte Marshall McLuhan später aufgriff und definierte als „kosmische Membran, die sich durch die elektrische Erweiterung unserer verschiedenen Sinne rund um den Globus gelegt hat“. Auch Volker Strübing näherte sich dem Thema in Das besoffene Internet mit einigen interessanten Überlegungen:

Ich finde die Vorstellung faszinierend, dass es irgendwann zu Bewusstsein erwacht. Oder schon zu Bewusstsein erwacht ist … wer weiß? Denn selbstverständlich würden wir nichts davon bemerken. Ein einzelnes Neuron, dass Signale erhält und bei Erreichung des Schwellenpotetials weiterleitet, weiß nichts davon, dass es gerade daran mitwirkt, einen Eintrag im Schnipselfriedhof zu verfassen. Und ein Mensch, der gerade einen Eintrag in sein Weblog schreibt, in einem Online-Spiel ein Monster killt oder eine wütende Email schreibt, nachdem der Ärger über andere Emails sein Schwellenpotential erreicht hat, ahnt nicht, dass er in Wirklichkeit nur von diesem neuerwachenden Bewusstsein dazu benutzt wird, den Gedanken “Ich denke, also bin ich” hervorzubringen …´

[HInweis auf Kevin Kelly Video & Artikel: Markus Spath / netzwertig.com]

Technorati Tags:

The Edge Annual Question 2008: Die intellektuelle Elite antwortet auf die Frage nach dem Sinneswandel

Rodin_Thinker Der Jahreswechsel ist traditionell die Zeit der Rückblicke aufs vergangene Jahr und der Vorhersagen für das neue Jahr. Bringen Rückblicke bereits Bekanntes in einer Zusammenfassung, liefern Vorhersagen meist Absehbares, gelegentlich Überraschendes, selten Visionäres. Seit 1998 gibt es einen weiteren schönen Brauch für die Zeit zwischen den Jahren. Die Edge Foundation bittet zu Neujahr führende Köpfe aus den unterschiedlichsten Disziplinen, ein Frage zu beantworten. Die diesjährige Frage lautete:

Wenn das Denken Ihre Meinung verändert, ist das Philosophie. Wenn Gott Ihre Meinung ändert, ist das Glaube. Wenn Tatsachen Ihre Meinung ändern, ist das Wissenschaft. WORÜBER HABEN SIE IHRE MEINUNG GEÄNDERT UND WIESO?

164 Wissenschaftler und Intellektuelle versuchten sich an einer Antwort. Die Herausforderung bestand diesmal darin, einzugestehen, dass man sich irren kann. Neben vielen herausragenden Wissenschaftlern, wie dem Nobelpreisträger Leon Lederman und Künstlern wie Brian Eno, gab es auch in diesem Jahr Beiträge von prominenten Vertretern aus den Bereichen Informationstechnologie und Medien:

Esther Dyson überprüfte ihre Einstellung zum Thema Datenschutz, ausgelöst durch Facebook’s Bemühungen, die gesammelten Nutzerdaten zu monetarisieren und kam zu einem differenzierten Ergebnis:

The question isn’t how to protect users‘ privacy, but rather how to give them better tools to control their own data – not by selling privacy or by getting them to „sell“ their data, , but by feeding their natural fascination with themselves and allowing them to manage their own presence. What once seemed like an onerous, weird task becomes akin to self-grooming online.

Tim O’Reilly änderte seine jahrelange ablehnende Haltung gegenüber dem Begriff Social Software, die geprägt war durch Plattformen wie Friendster. Marc Zuckerberg belehrte ihn mit einem Social Network auf Basis des Social Graph eines Besseren:

Mark Zuckerberg, Facebook’s young founder and CEO, woke up the industry when he began speaking of „the social graph“ — that’s computer-science-speak for the mathematical structure that maps the relationships between people participating in Facebook — as the core of his platform. There is real power in thinking of today’s leading internet applications explicitly as social software.

Nicholas Carr dachte ursprünglich, die dezentrale Struktur des Web sei ein guter Schutz gegen Machtkonzentration und Kontrolle durch einige wenige beherrschende Unternehmen. Inzwischen ist er anderer Meinung:

It is only by aggregating vast quantities of content, data, and traffic that businesses can turn large profits. […] Executives of Yahoo and Sun Microsystems have recently predicted that control over the net’s computing infrastructure will ultimately lie in the hands of five or six organizations.

Douglas Rushkoff geht sogar noch einen Schritt weiter. Nach der anfänglichen Euphorie im Bezug auf die Möglichkeiten des Internet, ist er mittlerweile völlig desillusioniert:

Sadly, cyberspace has become just another place to do business. The question is no longer how browsing the Internet changes the way we look at the world; it’s which browser we’ll be using to buy and sell stuff in the same old world.

Der Jahreswechsel ist zwar ein guter Anlass; aber es besteht immer die Möglichkeit, seine Meinung zu überprüfen und nötigenfalls zu revidieren oder zu relativieren. Wie sagte bereits Martin Walser: Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr.

Foto Credits: Close up of the Thinker by marttj (CC License)

Technorati Tags:

9to5.Wir nennen es Arbeit – Festival-Camp in Berlin

9to5_150x150 Das Programm steht. Der Countdown läuft. Morgen beginnt das 9to5.Wir nennen es Arbeit- Festival Camp unter der Überschrift 3 Tage leben und arbeiten im Radialsystem V Berlin. Da es sich bei der Veranstaltung um einen Gegenentwurf zur konventionellen Arbeitswelt handelt, steht die Kernzeit 9 to 5 nicht für 9 Uhr bis 17 Uhr, sondern für 21 Uhr bis 5 Uhr. Dementsprechend wird der Aufenthalt auf dem Gelände auch erst ab 19/20 Uhr kostenpflichtig.

Jeder der drei Tage steht unter einem besonderen Motto:

programm _banner

Nach Durchsicht des Programms wird’s bei mir auf den pragmatischen Freitag und Getting Things Done hinauslaufen. Ich freue mich jetzt schon auf Wie ich die Dinge geregelt kriege – ohne einen Funken Selbstdisziplin‘ mit Kathrin Passig und Sascha Lobo. Der Ankündigungstext klingt schon mal vielversprechend.

Kurz Info:

Was: 9to5.Wir nennen es Arbeit Festival-Camp

Wann: Do.23 bis So. 26.08. 2007

Wo: RADIALSYSTEM V, Holzmarktstr. 33, 10243 Berlin

Technorati Tags:

TED Talk: Sir Ken Robinson über Bildung und Kreativität

Über diesen TED Talk aus dem Jahr 2006 bin ich immer mal wieder gestolpert, habe mir aber nie die knapp 20 Minuten Zeit genommen, das Video anzuschauen.

Nachdem ich heute bei Jochen Robes erneut darauf stieß, leistete ich der Aufforderung „If you have not yet seen Sir Ken Robinson’s TED talk, please stop whatever you’re doing and watch it now“ umgehend Folge und habe es nicht bereut. (Anmerkung: Das vielverwendete Zitat stammt aus Kathy Sierra’s Post „A few more Presentation How To’s“.)

Sir Ken Robinson’s Botschaft ist, dass unser Bildungssystem –  im Hinblick auf den Fortbestand der menschlichen Rasse – Kreativität eher fördern, statt abwürgen sollte. Seine Präsentation ist unterhaltsam, witzig, berührend und vor allem sehr empfehlenswert.

ted talk

Technorati Tags:

Future of Media Video: Don’t believe the Hype

Zur Zeit kursiert wieder mal ein Video, das sich mit der Zukunft der Medienlandschaft und der Entwicklung des Web beschäftigt. Zu guter Letzt, bzw. im Jahr 2050 übernimmt Google dann die Weltherrschaft. Die italienische Beratungsfirma Casaleggio Associati hat das Video produziert und mit Erfolg in Umlauf gebracht.

Auch Richard MacManus verfasste auf Read/WriteWeb einen wohlwollenden Artikel darüber: Future of Media Video: Google Takes Over the World by 2050.

Als ich mir das Werk daraufhin anschaute, war ich eher peinlich berührt. Ein gewisser Nahvon Slomo trifft in seinem Kommentar (# 21) zu MacManus‘ Artikel meines Erachtens den Nagel auf den Kopf:

The “Future of Media” YouTube spot is pure propaganda. Fake science. Pseudo-Think Tank. Don’t believe the hype. Simply reading their “about” page shows their true intentions of making money trying to tell corporations how to make money. This video is pure PR crap, hoping to lure in the cash…

Technorati Tags: