Google und die ungewisse Zukunft der Suche

Die Geschäfte laufen gut. Die Quartalsergebnisse von Google geben kontinuierlich Anlass zur Freude. Der Mobile Markt entwickelt sich anscheinend prächtig. Die Kriegskasse ist gut gefüllt, auch für die Übernahme von “überbewerteten” Unternehmen wie Twitter. Und doch gibt es Grund zur Sorge. Der Kern des Unternehmens, die Suchmaschine und die Qualität ihrer Ergebnisse geraten immer mehr und öffentlich in Misskredit.  Wurde das Thema bereits seit einiger Zeit (wieder) verstärkt in Experten- und SEO-Kreisen diskutiert, ist es auch bei den Mainstream Magazinen wie Spiegel oder der Süddeutschen Zeitung angekommen. Ungeachtet dessen werden die Nutzer vor allem bei produktbezogenen Suchanfragen wie etwa “Geschirrspüler” unmittelbar mit dem Problem konfrontiert.

Die Vorwürfe an Google lauten, dass organisierter Spam die Kontrolle über die Suchergebnisse gewonnen habe. Inzwischen herrschten wieder Zustände wie vor 1998/9, also dem Zeitpunkt, als das frische und noch unkorrumpierte Google auf den Plan trat und viele nutzlose und spamverseuchte Suchmaschinen Geschichte werden ließ. Seit jeher befinden sich Suchmaschinen in einem ständigen Kampf mit Websites, die versuchen, mit unlauteren Mitteln ihre Positionen in den Suchergebnissen zu verbessern und den Algorithmus zu manipulieren. Google hat deswegen Richtlinen entwickelt, um Webmastern und SEOs dezidierte Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit zu geben. Darin werden auch unerlaubte Verfahren beschrieben. Die Verschlechterung der Qualität der Suchergebnisse hat verschiedene Ursachen. Hier sind einige der wichtigsten:

Scraping bezieht sich auf das automatisierte “Abkratzen” von dynamischen Inhalten anderer Seiten, um sie dann auf eigenen Seiten einzubinden. So wird einerseits  teures Geld für die Erstellung von originären Inhalten gespart. Zum anderen entsteht dadurch sogenannter duplicate content (mehrfach verwendete Inhalte), was Google verhindern will. Von Google’s Bereinigungsmaßnahmen kann im schlechtesten Fall das Orignal und nicht die Kopie betroffen sein.

Linkspam bedeutet Einsatz von gekauften oder getauschten Links. Seit bekannt wurde, dass Google eingehende Links auf Webseiten für deren Bewertung im Rahmen des PageRank heranzieht, gehört Linkaufbau zu den Aufgaben von Webmastern und SEOs. Dabei werden von einigen schon mal Grenzen überschritten, wie es kürzlich im  heftig diskutierten Fall Bloggergate zu sehen war. Einen Vorfall viel größeren Ausmaßes  deckte die New York Times auf, als sie die guten Suchergebnisse der Kaufhauskette JCPenny und die dahinter stehenden Linkstrukturen untersuchte. Das Irritierende dabei ist, dass Google dieses Treiben monatelang geduldet haben soll.

Content-Farmen produzieren am Fließband Inhalte (Texte, Artikel), die auf Seiten wie beispielsweise ehow.com veröffentlicht werden. Ziel und Zweck dieser billig produzierten Inhalte (das bezieht sich auch auf die schlechte Bezahlung der Autoren) ist es, für bestimmte Themen (also Suchanfragen) in den Suchmaschinen auf den vorderen Plätzen zu erscheinen, was durch geschickte Verlinkung und optimierten Einsatz der Suchbegriffe , sprich SEO, erreicht wird. Auf diesen Seiten wird dann Werbung, insbesondere Google AdWords geschaltet. Das bekannteste Unternehmen in dieser Branche ist Demand Media, das auch hinter eHow steckt. Mit Hilfe eines eigenen Algorithmus wird errechnet, mit welchen Themen sich genügend Werbeeinnahmen erwirtschaften lässt.

Google sah sich aufgrund der massiven Kritik und der negativen PR gezwungen, zu reagieren. Im Hinblick auf Scraping Seiten kündigte dessen oberster Spam Bekämpfer Matt Cutts Ende Januar eine Verbesserung des Algorithmus an. Was den Umgang mit Content-Farmen und “low-quality” Seiten angeht, soll ebenfalls nachgebessert werden:

Nonetheless, we hear the feedback from the web loud and clear: people are asking for even stronger action on content farms and sites that consist primarily of spammy or low-quality content. We take pride in Google search and strive to make each and every search perfect. The fact is that we’re not perfect, and combined with users’ skyrocketing expectations of Google, these imperfections get magnified in perception. However, we can and should do better.

Die kleine, aufstrebende Suchmaschinenkonkurrenz blekko ist da schon einen Schritt weiter. Sie erlaubt sowieso standardmäßig die Suchergebnisse zu kuratieren (für den persönlichen Bedarf anzupassen) und so unerwünschte Seiten auszuschließen. Darüber hinaus wurde jetzt auch eine Liste von Content-Farmen geblockt. Wo wir schon bei alternativen Suchmaschinen sind. DuckDuckGo ist ebenfalls einen näheren Blick wert.

Heute legte Google nach. Zumindest für Nutzer von Google Chrome steht jetzt eine Erweiterung zur Verfügung, mit der sich unerwünschte Seiten, zum Beispiel Content-Farms in den Suchergebnissen blocken lassen. Gleichzeitig gewinnt Google durch dieses Crowdsourcing  wertvolle Rückmeldungen für die Verbesserung seines Algorithmus und die Eindämmung von Spam.

Ein Gedanke zu „Google und die ungewisse Zukunft der Suche

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