Paying (for) Attention – Ein etwas anderes Geschäftsmodell für Twitter

Die Frage nach einem konkreten Geschäftsmodell von Twitter steht bislang unbeantwortet im Raum. Von Seiten der Geschäftsführung und Investoren gab es bisher nur vage Andeutungen und Ankündigungen. Bis sich etwas Konkretes tut, wird diese Lücke eben durch wilde Spekulationen und wohlgemeinte Ratschläge gefüllt.

Mahalo Geschäftsführer Jason Calacanis gibt immer wieder mal ein paar Ideen zum Besten, die zumindest für Aufmerksamkeit und ein bischen Linkbaiting sorgen.

Seine neueste: Er wäre bereit, für einen garantierten Platz in der von Twitter ausgesuchte Liste von suggested users für einen Zeitraum von zwei Jahren 250.000 US Dollar zu bezahlen. Später stockte er sein Angebot sogar auf 500.000 US Dollar für drei Jahre auf.

Ein Top Slot in den suggested users bringt angeblich 5.000 bis 10.000 Follower pro Tag. Das könnte beispielsweise auch für E-Commerce Unternehmen wie Amazon oder Ebay interessant sein. Diesen Effekt würde er jedenfalls gerne nutzen, um seinen Service Questions zu promoten. Auf dem @questions Account sollten dann pro Tag 5 Fragen gepostet werden. Ab hier fängt dann seine sehr interessante Rechnung an:

Everyone loves a timely or fascinating question and, in my estimation,I would get a one percent clickthrough rate on each question. If I was able to reach three million followers, and kept half of them (1.5m), that means every tweet would get 15,000 visits. Five a day means 75,000 daily visits, and over two million visits a month–or close to 50m visits of two or three years. Some percentage of those two million would participate in Mahalo by asking or answering questions, and if that number is also .5 to 1%, that means I would get about 250,000 new members for my service.

Die Frage ist natürlich, ob diese Rechnung aufgehen würde. Auch wenn das so auf Twitter wahrscheinlich nicht stattfinden wird, ist sein Ansatz mal etwas anderes als die üblichen Vorschläge wie Premium Dienste, Werbung, API-Nutzung oder Übernahme durch Google. Calacanis sieht hier eine völlig neue Form von Direktmarketing im Entstehen begriffen:

Direct marketing by mail changed retail forever, as did the Web and email. Twitter will take that to an entirely new level. Why? Because people *live* inside of Twitter like they have never lived inside of a product before. […] Twitter is a giant, open email box that we all hang out in every day.

Das klingt nicht gerade nach Social Media Mindset und Dialog, eher nach Web 1.0 und Ausrichtung auf qualitative Aspekte wie Traffic.

Aber ich denke, neben Calacanis nutzen auch unzählige andere Web Celebrities wie Robert Scoble, Chris Brogan oder Guy Kawasaki Plattformen wie Twitter oder Facebook – trotz allen “sozialen” Engagements – gezielt, um sich und ihre jeweiligen Projekte zu promoten. Und bisher völlig kostenlos. Nebenbei: Wie verarbeitet Guy Kawasaki eigentlich die Tweets von knapp 99.000 Leuten, denen er folgt?

Viel interessanter als diese Frage ist allerdings, mit welch genialem Monetarisierungs-Konzept Evan Williams und Co. uns dereinst überraschen werden. Jeremiah Owyang denkt das Ganze schon mal weiter in Richtung Social CRM.

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