Google, Twitter und Geschäftsmodelle in der Krise

In Zeiten von Finanzkrise und wirtschaftlichem Abschwung werden Fragen nach Geschäftsmodellen gerade im Web(2.0) immer häufiger und eindringlicher gestellt. Fred Wilson, einem der Investoren (VCs) beim Microblogging Dienst Twitter platzte in einem Wired Interview der Kragen:

It’s like the stupidest question in the world: How’s Twitter going to make money?,“ […] „It’s like ‚How was Google going to make money? Eventually Google was going to make money and they figured out how to do it and they figured out a great business, and I think the same thing is true with Twitter.

Henry Blodget von Silicon Alley Insider und offensichtlicher Twitter Fan lehnt sich sehr weit aus dem Fenster und schätzt, dass Twitter bald mehr als eine Milliarde Dollar wert sein könnte (auf Grundlage einer gallopierenden Inflation?). Er weiß zwar auch nichts Konkretes, geht aber einfach davon aus, dass es schon klappen wird, eine Einnahmequelle aufzutun. Google hätte es ja auch geschafft. Ziemlich sicher dagegen ist, dass sich bei Twitter jetzt der Druck erhöht, langsam mal Geld zu verdienen. In der ersten Hälfte 2009 soll endlich das (neue) Geschäftsmodell vorgestellt werden. Ich bin gespannt, ob es sich dabei um eine Lösung jenseits der üblichen Varianten wie a) Nutzungsgebühren für Premium Dienste oder b) Werbeeinblendungen oder c) Übernahme durch einen großen Konzern handeln wird.

Tatsächlich hat aber auch Google über zwei Jahre gebraucht, bis sich mit der ersten Version von Google AdWords der Ansatz eines Geschäftsmodells herauskristallisierte – damals noch auf Basis eines Tausenderkontakpreis-Abrechnungsmodells (CPM). Im Unterschied zu Twitter’s aktueller Situation war Google damals allerdings schon im Mainstream angekommen, galt bereits als beste Suchmaschine und war mit über 1 Milliarde URLs im Index seit Mitte 2000 auch die größte. Ständige Verbesserungen wie die Übernahme von Overture’s pay-per-click Auktions-Modell und die Einführung von Relevanz durch die click-through-rate kreierten schließlich jene Gelddruckmaschine, die Google auch in schwierigen Zeiten noch Wachstum beschert, wie die jüngsten Quartalszahlen belegen. Etliche Fachleute vermuten, dass gerade in Krisenzeiten leistungsorientierte Werbemodelle wie Google AdWords oder Google AdSense gegenüber klassischer Bannerwerbung bevorzugt werden und Google damit und den Zuwächsen durch die Märkte in Asien relativ rezessionssicher aufgestellt ist.

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2 Gedanken zu „Google, Twitter und Geschäftsmodelle in der Krise

  1. Ich halte Twitter nicht für überflüssig, eher für überbewertet. Ob die Verantwortlichen ein adäquates Geschäftsmodell finden, wird sich zeigen. Selbst wenn das nicht gelingen sollte, das Phänomen Microblogging/sharing, Social Messaging oder wie immer man das nennen will, wird bleiben.

  2. Ich glaub ja irgendwie von Beginn an, dass bei Twitter die Luft raus ist. Bislang hab ich mich halt getäuscht… Glaub aber trotzdem, dass wir in 20 Jahren drüber reden wie heute über den Zauberwürfel (falls den noch einer kennt).

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