The Edge Annual Question 2008: Die intellektuelle Elite antwortet auf die Frage nach dem Sinneswandel

Rodin_Thinker Der Jahreswechsel ist traditionell die Zeit der Rückblicke aufs vergangene Jahr und der Vorhersagen für das neue Jahr. Bringen Rückblicke bereits Bekanntes in einer Zusammenfassung, liefern Vorhersagen meist Absehbares, gelegentlich Überraschendes, selten Visionäres. Seit 1998 gibt es einen weiteren schönen Brauch für die Zeit zwischen den Jahren. Die Edge Foundation bittet zu Neujahr führende Köpfe aus den unterschiedlichsten Disziplinen, ein Frage zu beantworten. Die diesjährige Frage lautete:

Wenn das Denken Ihre Meinung verändert, ist das Philosophie. Wenn Gott Ihre Meinung ändert, ist das Glaube. Wenn Tatsachen Ihre Meinung ändern, ist das Wissenschaft. WORÜBER HABEN SIE IHRE MEINUNG GEÄNDERT UND WIESO?

164 Wissenschaftler und Intellektuelle versuchten sich an einer Antwort. Die Herausforderung bestand diesmal darin, einzugestehen, dass man sich irren kann. Neben vielen herausragenden Wissenschaftlern, wie dem Nobelpreisträger Leon Lederman und Künstlern wie Brian Eno, gab es auch in diesem Jahr Beiträge von prominenten Vertretern aus den Bereichen Informationstechnologie und Medien:

Esther Dyson überprüfte ihre Einstellung zum Thema Datenschutz, ausgelöst durch Facebook’s Bemühungen, die gesammelten Nutzerdaten zu monetarisieren und kam zu einem differenzierten Ergebnis:

The question isn’t how to protect users‘ privacy, but rather how to give them better tools to control their own data – not by selling privacy or by getting them to „sell“ their data, , but by feeding their natural fascination with themselves and allowing them to manage their own presence. What once seemed like an onerous, weird task becomes akin to self-grooming online.

Tim O’Reilly änderte seine jahrelange ablehnende Haltung gegenüber dem Begriff Social Software, die geprägt war durch Plattformen wie Friendster. Marc Zuckerberg belehrte ihn mit einem Social Network auf Basis des Social Graph eines Besseren:

Mark Zuckerberg, Facebook’s young founder and CEO, woke up the industry when he began speaking of „the social graph“ — that’s computer-science-speak for the mathematical structure that maps the relationships between people participating in Facebook — as the core of his platform. There is real power in thinking of today’s leading internet applications explicitly as social software.

Nicholas Carr dachte ursprünglich, die dezentrale Struktur des Web sei ein guter Schutz gegen Machtkonzentration und Kontrolle durch einige wenige beherrschende Unternehmen. Inzwischen ist er anderer Meinung:

It is only by aggregating vast quantities of content, data, and traffic that businesses can turn large profits. […] Executives of Yahoo and Sun Microsystems have recently predicted that control over the net’s computing infrastructure will ultimately lie in the hands of five or six organizations.

Douglas Rushkoff geht sogar noch einen Schritt weiter. Nach der anfänglichen Euphorie im Bezug auf die Möglichkeiten des Internet, ist er mittlerweile völlig desillusioniert:

Sadly, cyberspace has become just another place to do business. The question is no longer how browsing the Internet changes the way we look at the world; it’s which browser we’ll be using to buy and sell stuff in the same old world.

Der Jahreswechsel ist zwar ein guter Anlass; aber es besteht immer die Möglichkeit, seine Meinung zu überprüfen und nötigenfalls zu revidieren oder zu relativieren. Wie sagte bereits Martin Walser: Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr.

Foto Credits: Close up of the Thinker by marttj (CC License)

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