Web 3.0 auf Wiedervorlage

Das Thema Web 3.0 kommt in schöner Regelmäßigkeit auf den Tisch und sorgt doch immer wieder für erhöhte Aufmerksamkeit und aufgeregte Diskussionen. Vor knapp einem Jahr war es John Markoff, der mit seinem Artikel ‚Entrepreneurs See a Web Guided by Common Sense‘ für die New York Times eine mittlere Welle erzeugte. Im August dieses Jahres gab Google CEO Eric Schmidt auf dem Seoul Digital Forum seine Aufsehen erregende Definition von Web 3.0 zum Besten.

Vor kurzem zettelte Jason Calacanis mit ‚Web 3.0, the „official“ definition‘ eine neue Balgerei an. Seine knappe Definition ist ganz offensichtlich auf seine ‚human-powered‘ Suchmaschine Mahalo zugeschnitten:

Web 3.0 is defined as the creation of high-quality content and services produced by gifted individuals using Web 2.0 technology as an enabling platform.

Das Echo ließ nicht lange auf sich warten. Auch Tim O’Reilly konnte nicht umhin, in ‚Today’s Web 3.0 Nonsense Blogstorm‘ seinen Senf dazuzugeben. In dieser Post setzt er sich dann aber weniger mit Calacanis sondern eher mit dem fundierteren, semantischen Web 3.0 Ansatz von Nova Spivack (dem Enkel von Peter F. Drucker) auseinander. O’Reilly stimmt ihm zwar nicht zu, erkennt aber dessen Potenzial durchaus an. Nova Spivack erklärt in einem Kommentar den Ansatz seines Unternehmens Radar Networks folgendermaßen:

At Radar we are taking a Web 2.0 approach to Web 3.0. Essentially we are making use of user-generated content and the wisdom of crowds, as well as statistical analysis, mining and machine learning. Combined we have something much more powerful than either on its own: a true platform for collective intelligence. The fact that we happen to store the data using the Semantic Web is a convenience — it makes our data more extensible and reusable by others. But ultimately the data itself comes from users.

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4 Gedanken zu „Web 3.0 auf Wiedervorlage

  1. Meiner Meinung nach, versuchen sich die ganzen Experten nur einen Namen zu machen, in dem sie nur Namen oder Bezeichnungen für etwas zu vergeben, was sich auch ohne sie entwickelt.

    Wenn das sogenannte Web3.0, oder irgendeine weiterentwickelte Form des Web2.0, entsteht, fällt der Ruhm dem zu, der es als Erster erkennt und den Namen mit dem besten Anklang entwickelt. So einfach ist das.

  2. Tim O’Reilly kommentiert eigentlich nur einen erneuten und durchsichtigen Versuch (in diesem Fall von Jason Calacanis) den Begriff Web 3.0 als PR-Gag zu benutzen.

    Was Web 2.0 angeht, handelte es sich anfangs nur um einen Marketingbegriff (für eine Konferenz), der dann aber auf breiter Front adaptiert wurde. Offensichtlich gab es einen Bedarf, a) die wahrnehmbaren Veränderungen im Web zu benennen und b) sich gleichzeitig von der dotcom Ära abzusetzen und einen Neuanfang zu signalisieren. Dabei ging es in erster Linie um eine Haltung, weniger um eine spezifische Technologie.

    Auch wenn der Begriff Web 2.0 inzwischen arg strapaziert ist, hat er doch als übergeordnetes Konzept geholfen, die Konversation über neue Entwicklungen im Web zu bündeln.

    Ich finde Ihr Entwicklungsmodell interessant. Aber um die verschiedenen Evolutionstufen zu erläutern, müssen auch Sie das Kontinuum Internet zumindest konzeptionell in verschiedene Phasen einteilen. Für diesen Zweck dienen die verschiedenen Versionsnummern doch als recht anschauliche Referenzen.

    Aber egal, wie die kommende Entwicklungsstufe auch aussehen wird; ich bin mir sicher, sie wird nicht Web 3.0 heißen.

  3. Ist ja eigentlich witzig zu sehen, wie die Experten darüber diskutieren, was denn nun „Drei Null“ ist, während sich das Kontinuums Internet davon unbeeindruckt weiterentwickelt. So nach dem Motto: O’Reilly streitet darüber, was 3.0 ist, die Karawane zieht weiter.

    Ich sehe eher Evolutionsstufen, und zwar nicht technologischer Natur, sondern mit Blick darauf, wie wir mit dem Internet umgehen, etwa in der Art von:

    Web 1.0 hat bedeutet, daß wir AM Internet gearbeitet haben (es errichtet haben)

    Web 2.0 bedeutet, daß wir MIT dem Internet arbeiten, dass es also ein ganz selbstverständliches Werkzeug für uns geworden ist.

    Und Web 3.0 wird bedeuten, dass wir wirklich IM Internet arbeiten werden, dass sich also eine Digital Economy auch jenseits von schrägen und nicht haltbaren business models etabliert hat.

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