Facebook als Modell für die Intranets von morgen?

Die rasante Entwicklung von Facebook sorgt seit Monaten für Gesprächsstoff. Inzwischen verfügt das Social Network über mehr als 30 Millionen aktive Nutzer. Täglich kommen 100.000 neue dazu. Das 2004 gegründete Unternehmen wird jetzt schon mit Google oder Microsoft und der 24-jährige Gründer Mark Zuckerberg mit Bill Gates oder Steve Jobs verglichen.

Anhänger schätzen den integrierten Ansatz von Facebook. Für sie ist die Plattform ein webbasiertes Betriebssystem (’social operating system‘), in dem alle notwendigen Applikationen entweder bereits vorhanden sind oder sich nach Bedarf hinzufügen lassen. Kritiker heben vor allem auf die Geschlossenheit des Netzwerks (‚walled-gardens‘) ab, die unverträglich mit der Idee eines frei zugänglichen Webs sei. Diese Ambivalenz bringt Duncan Riley in seinem Artikel für Techcrunch „Could Facebook Become The Next Microsoft?“ gut auf den Punkt:

From a users perspective, a centralized one-stop shop of applications has great appeal, particularly in a marketplace where choice can actually be overwhelming. Yet Facebook is a closed shop; there’s no open source in Facebook and every app built for it will not work with other sites. Facebook could easily become the Microsoft Windows of tomorrow.

Jason Kottke formuliert die Kritik nochmal aus einem anderen Blickwinkel:

Facebook is an intranet for you and your friends that just happens to be accessible without a VPN. If you’re not a Facebook user, you can’t do anything with the site…nearly everything published by their users is private.

Und genau hier ist die Schnittstelle von Facebook und Unternehmen. Bereits im Mai dieses Jahres zeigte sich Enterprise 2.0 Protagonist Andrew McAfee beeindruckt von Facebook’s Möglichkeiten, die ihm von zwei Harvard Studenten demonstriert wurden:

So what are the Enterprise 2.0 lessons from Facebook? I think one is the power of one-stop shopping, or an integrated collaboration environment. My current Web 2.0 and Enterprise 2.0 interactions are scattered across a number of tools. While it’s not an overwhelming hassle to check them all throughout the day, it is a bit of work. I got the impression from Rachel and Sameer that a lot of undergrads are doing the bulk of their online interacting within Facebook. Shouldn’t we expect employees within a company to do the same, given the opportunity?

JP Rangaswami ist CIO der BT Group. Davor war er Globlal CIO bei Dresdner Kleinwort. Unter seiner Leitung wurde eines des meistzitierten Enterprise 2.0 Projekte implementiert. Auf seinem Blog Confused of Calcutta stieß er Ende Juli eine Diskussion zum Thema ‚Facebook and the Enterprise‘ (Teil1, Teil 2, Teil3) an, die noch fortgesetzt wird. Auslöser war die Facebook Sperre, die eine Reihe von Firmen und Institutionen eingerichtet hatten – ironischerweise auch Dresdner Kleinwort. Rangaswami hält ein flammendes Plädoyer für Facebook:

If you take the right perspective, there’s a lot you can do in an enterprise setting with Facebook. Who knows, maybe we shall soon see IT departments with a Facebook applications team embedded in them….. Let’s harness the power of social networking tools, make them work for us in the enterprise. … There will be other Facebooks. Maybe there will be some who are better. That is not the point. The point is that enterprises can obtain real value from Facebook.

Bis jetzt betrachten die großen Anbieter für Unternehmens-Software wie SAP, Oracle, Microsoft oder IBM die Social Networks wie Facebook vielleicht noch als Spielwiese für Jugendliche oder lediglich als Phämonen im Consumer Bereich, sicher nicht als Konkurrenz in ihrem Markt. Das könnte sich bald ändern, meint (nicht nur) Jason Woodrow:

When we talk about things like „Enterprise 2.0“, I think the myopic view that focuses on new tools [i.e., wikis, tools, RSS aggregators] completely misses the sea-change we’re undertaking. We’ve all been asking ourselves when (and if?) business-centric analogs would emerge for the massively successful social networking platforms; without realizing that these sites may BE THEIR OWN BUSINESS ANALOGS. What’s going to be the Enterprisey version of Facebook? FACEBOOK.

Robert Scoble, bekennender Facebook Fan, deutete in einem Kommentar zum oben zitierten Techcrunch Artikel an, dass Facebook auf dem besten Weg sei, das Siemens Intranet zu ersetzen:

Tonight I interviewed Siemens Web Strategist. He noted that at Siemens they already have more than 6,000 employees on Facebook (most added in the past month). So, apps for Siemens employees will come soon. Why? I bet more employees will soon be checking Facebook than checking their own intranets.

Ob auch andere Unternehmen schon bereit sind, sich auf Facebook oder vergleichbare Social Networking Lösungen einzulassen, ist die Frage. Sicher ist, dass die Diskussion über das Potenzial von Facebook für Unternehmen gerade erst begonnen hat.

Update 03.08.07:

Mircosoft übertrifft zahlenmäßig sogar die Präsenz von Siemens auf Facebook. Angeblich sind von den weltweit etwa 70.000 Microsoft Angestellten mindestens 17.000 Mitglieder ihres Microsoft Networks. Sogar Bill Gates, Steve Ballmer und Ray Ozzie sollen Profile angelegt haben. (via, via)

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