Datenschutz: Alles im grünen Bereich?

Digitale Daten sind heiß begehrt. Je mehr und detaillierter, desto besser. Neben den staatlichen gibt es auch jede Menge kommerzieller Datensammler. Das betrifft nicht nur Online bzw. Web 2.0 Dienste, sondern alle Bereiche, in denen digitale Nutzerdaten gespeichert werden, sei es bei Banken, Versicherungen, E-Commerce Unternehmen, Mobilfunk-Anbietern, etc.

Wie weit diese Rundum-Überwachung schon in unseren Alltag eingedrungen ist, veranschaulicht die interaktive Flash-Präsentation „Panopti.com“ von Johannes Widmer. Die 2006 als Abschlussarbeit im Studiengang Digital Media entstandene Arbeit ist eine sehr beeindruckende Visualiserung eines komplexen und kontroversen Themas. (via RSS Blogger)

In diesen Zusammenhang passt die aktuelle Veröffentlichung eines Reports von Privacy International zum Thema Datenschutz bei Internet Dienstleistern. Untersucht wurden die Praktiken von 23 herausragenden Unternehmen:

Amazon, AOL, Apple, BBC, Bebo, eBay, Facebook, Friendster, Google, Hi5, Last.fm, LinkedIn, LiveJournal, Microsoft, Myspace, Orkut, Reunion.com, Skype, Wikipedia, Windows Live Space, Xanga, Yahoo! und YouTube

Die Ergebnisse der Analyse wurden im PDF Format veröffentlicht. Google erhielt die schlechteste Bewertung von allen und landete auf dem letzten Platz. Das Verdikt lautete ‚Hostile to Privacy‘ mit folgender Begründung:

Track history of ignoring privacy concerns. Every corporate announcement involves some new practice involving surveillance. Privacy officer tries to reach out but no indication that this has any effect on product and service design or delivery.

privacy int categories b

Recht gut abgeschnitten haben BBC, eBay, Last.FM, LiveJournal und Wikipedia (‚Generally privacy aware‘). Google’s Rivale Microsoft, bisher immer auf die Rolle des Bösen abonniert, konnte sich im Ranking dagegen verbessern (‚Serious lapses in privacy practices‘) und landete damit noch vor AOL, Apple, Hi5, Reunion.com, Windows Live Space, Yahoo! und Facebook, die allesamt in die zweitschlimmste Kategorie (‚Substantial and comprehensive privacy threats‘) eingeordnet wurden. In den grünen, also unbedenklichen Bereich (‚Privacy-friendly and privacy enhancing‘) gelangte übrigens keiner der Kandiaten.

Facebook könnte Google auf mittlere Sicht den Titel des ‚Big Brother‘ streitig machen. Bereits 2006 sorgte die konspirative Flash Präsentation ‚Does what happens in the Facebook stay in the Facebook?‘ für einiges Aufsehen – und das lange bevor Facebook durch die neue Entwickler Plattform zum Social Operating System avancierte. (via Mark Evans)

Aber wie formulierte es Tim O’Reilly (im Bezug auf Web 2.0) bereits sehr pragmatisch und gänzlich unsentimental in einem Wired Interview:

A lot of people still think, „Oh, it’s about social networking. It’s about blogging. It’s about wikis.“ I think it’s about the data that’s created by those mechanisms, and the businesses that that data will make possible.

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2 Gedanken zu „Datenschutz: Alles im grünen Bereich?

  1. Es geht mir nicht darum, Google zu diskreditieren. Ausser der Suche bietet Google ja eine Vielzahl weiterer Dienste an, bei deren Nutzung ebenfalls Daten anfallen. Auch ich nutze etliche Google Apps, aber inzwischen schaue ich dann doch etwas genauer hin. Von Google Desktop habe ich mich z.B. verabschiedet.

  2. Um Dienste wie eBay oder Amazon kommt man kaum herum, weil es keine vernünftigen Alternativen gibt.
    Aber wem Google zu krass ist, der hat doch genug andere Möglichkeiten zum Suchen.

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