Studium 2.0 – Essentielle Web Tools, Teil 3

In den beiden vorangegangenen Teilen dieser Reihe habe ich Tools für Recherche und Suche vorgestellt. Aber was macht man mit den gefundenen Inhalten? Wie kann man sie sinnvoll speichern und verwalten, so dass sie später problemlos wieder gefunden und weiter genutzt werden können?

Das Anlegen von Lesezeichen für Webseiten, also das Speichern der zugehörigen URL, gehört bei den meisten Browsern seit langem zum Standard. Beim Internet Explorer heißen sie Favoriten, in Firefox Bookmarks. Die so gespeicherten Lesezeichen sind allerdings nur lokal, auf dem jeweiligen Rechner verfügbar.

Die Alternative ist, Bookmarks online auf einer zentralen Plattform zu hinterlegen. Das hat gleich zwei handfeste Vorteile: Erstens kann man von überall (respektive von jedem Rechner mit Internetzugang) darauf zurückgreifen. Zweitens lassen sich die Bookmarks mit anderen teilen. Das online Bookmarking erlebte ab 2003 durch den innovativen Dienst del.icio.us einen gewaltigen qualitativen Sprung. Es ging nicht mehr nur darum, Bookmarks zu speichern, sondern sie mittels Tags (Schlagwörter) zu klassifizieren, mit Anmerkungen zu versehen und mit anderen bzw. der Community zu teilen. Der Begriff Social Bookmarking spiegelt diese community-orientierte Ausrichtung wider.

Der besondere Mehrwert von Social Bookmarking Diensten besteht im gesammelten, handverlesenen Content der jeweiligen Gemeinschaft von Nutzern, der allen zur Verfügung steht. Das macht sie zu hochwertigen Suchmaschinen mit einem „human touch“, die oftmals bessere und relevantere Ergebnisse liefern, als die konventionellen, algorithmenbasierten Suchmaschinen. Die Gemeinschaft der Nutzer strukturiert durch die vergebenen Tags ihre Inhalte selbst (= Folksonomy), im Unterschied zu einem von Experten vorgegebenen Kategoriensystem (= Taxonomy).

Die Bookmarking Dienste stellen in der Regel zwei Möglichkeiten zur Verfügung, um Lesezeichen direkt beim Surfen, also aus dem Browser heraus, abzuspeichern: Ein einfache Variante ist ein Bookmarklet, das idealerweise in der Lesezeichen Symbolleiste platziert wird. Die zweite, etwas aufwändigere Variante ist eine Toolbar, die über erweiterte Funktionen verfügt.

Speichern, Teilen & Entdecken: 10 Social Bookmarking Dienste

Del.icio.us: Del.icio.us ist der Social Bookmarks Champion, Liebling der Geeks und Referenz-Objekt in diesem Bereich. Del.icio.us hat eine große Nutzergemeinde, vor allem aus den aus den Sparten IT und Technologie. 2003 als Freizeitprojekt gegründet, wurde der del.icio.us Ende 2005 von Yahoo! gekauft. Das Design ist zwar eher spartanisch; dafür ist der Service mit umfangreichen Funktionen ausgestattet, was allerdings auch eine gewisse „Einarbeitung“ erforderlich macht. Del.icio.us legt großen Wert auf die Aspekte Folksonomy und Sharing. Strukturierende Elemente sind die Tags. Auf Ordner und Kategorien wird im Unterschied zu vielen anderen Bookmarking Diensten vollständig verzichtet. Alle vom einzelnen Nutzer vergebenen Tags werden in einer Tagcould dargestellt, die nach unterschiedlichen Kriterien sortiert werden kann.

Furl: Wie del.icio.us 2003 als unabhängiges Projekt gegründet, wurde Furl später von Looksmart übernommen. Als „Veteran“ im Bereich Social Bookmarking kann Furl ebenfalls eine große Nutzergemeinde aufweisen. Furl ist zwar einfacher in der Handhabung, aber auch nicht ganz so flexibel wie del.icio.us oder neuere Services. Dafür bietet Furl andere Vorteile: Beim Speichern eines Links gibt es auf der Eingabeseite neben Titel und URL noch Felder für Kategorie, Bewertung, Schlüsselwörter, Kommentare und Auszüge der gespeicherten Seite Darüber hinaus speichert Furl automatisch die mitgelieferten Metadaten zu Autor, Quelle, Veröffentlichungsdatum, etc. Tagging spielt im Vergleich zu del.icio.us eine eher untergeordnete Rolle. Jedem Nutzer stehen 5 GB Speicherkapazität zur Verfügung, was für mehrere 10.000 Seiten ausreicht. Furl erstellt Kopien der gespeicherten Seiten und verfügt über Volltextsuche.

Spurl: Spurl ist seit Anfang 2004 online. Der Service wartet mit einem guten Design auf und ist übersichtlich in der Handhabung. Die gespeicherten Bookmarks können sowohl in Ordner abgelegt, als auch mit Tags versehen werden. Spurl bietet außerdem eine Synchronisation mit del.icio.us an. Hat ein Nutzer gleichzeitig ein del.icio.us Konto, kann die Einstellung bei Spurl so gewählt werden, dass alle gespeicherten Seiten parallel auf del.icio.us hinterlegt werden. Die Nutzergemeinschaft von Spurl ist noch kleiner als bei den etablierteren Services, aber im Wachsen begriffen. Spurl erstellt Kopien der gespeicherten Seiten und verfügt über Volltextsuche.

Ma.ngolia: Ma.ngolia ging 2005 an den Start und kommt mit einem sehr schönen, aufwändigen Web 2.0 Design daher. (Web-) Designer stellen auch einen wichtigen Teil der Nutzerschaft dar. Das Konzept von Ma.gnolia legt großen Wert auf Community Building und fördert Vernetzung und Kommunikation unter den Nutzern. Ähnlich wie Furl hat Mangolia ein Bewertungs-System (1 bis 5 Sterne) für die Bookmarks installiert und erstellt auch Kopien der hinterlegten Seiten. Ma.gnolia’s Community ist noch relativ überschaubar und die Seite reagiert stellenweise etwas langsam.

Blinklist: Ein relativ neuer Service, der mit einer beeindruckenden Vielfalt an Funktionen aufwartet. Die Bedienung ist einfach und intuitiv; darüber hinaus gibt es einen umfangreichen Nutzer Support. Blinklist hat von den Platzhirschen gelernt, will aber nicht einfach kopieren, sondern durch innovative Features überzeugen. Dazu gehören Bewertungen für die Bookmarks in Kombination mit einem Ranking-System und integrierte Thumbnail Ansichten der gespeicherten Websites. Blinklist bietet eine Reihe von Community Features an und macht besondere Angebote für den Bildungsbereich. Lehrende und Lernende können spezielle Räume (Blinkspaces) und Listen (Blinklists) für die Zusammenarbeit einrichten.

StumbleUpon: StumpleUpon ist wahrscheinlich der weltweit populärste Bookmarking Dienst. Auf der About Page wird Anfang Dezember 2006 die Zahl der Nutzer mit 1.606.529 angegeben. Das dürften deutlich mehr als bei del.icio.us sein, wo im September 2006 die 1 Millionen Marke übersprungen wurde. StumbleUpon versteht sich weniger als Organisations- sondern als Entdeckungstool. 500 Themengebiete stehen dafür zur Auswahl. Passend zu den eigenen Interessen und Präferenzen werden Ergebnisse anzeigt, die von Nutzern mit ähnlichen Interessen vorgeschlagen, bewertet und kommentiert wurden. So führen einen die Empfehlungen der Community zu immer neuen Seiten und Inhalten. Man kann natürlich auch seinerseits Webseiten empfehlen und bewerten. Je aktiver StumbleUpon benutzt wird, desto feiner justiert sich das System auf die eigenen Vorlieben ein.

Mr Wong: Ein deutscher Social Bookmarking Dienst, der sichtlich von del.icio.us inspiriert ist. Seit 2006 am Netz, ist Mr Wong schon auf Grund der deutschen Oberfläche und der deutschssprachigen Community eine Alternative zu den marktbeherrschenden englischsprachigen Angeboten. Laut Angaben auf der Homepage wurden 630.000 Bookmarks abgelegt und mit über 1.400.000 Tags versehen. Mr Wong verfügt im Unterschied zu vielen anderen Diensten über zusätzliche Networking Möglichkeiten. So können sich Gruppen zu bestimmten Themen bilden. Am beliebtesten derzeit: Die Web 2.0 Gruppe mit 231 Mitgliedern und 528 Bookmarks. (Alle Zahlen: Stand 05.12.06)

Oneview beta: Ein weiterer deutschssprachiger Dienst in dieser Liste. Die Online Bookmarking Seite Oneview, die bereits 1999 als Internet-Plattform exisitiert, erfuhr vor kurzem einen Relauch zur Social Bookmarking Seite und ist jetzt in einer Prototypen Version als „oneview beta“ am Start. Die grundlegenden Funktionen sind ähnlich wie bei anderen Social Bookmarking Diensten. Die Positionierung hebt auf den Netzwerk Gedanken und den menschlichen Faktor ab. Die Nutzer sollen sich über die Information und den Informationsaustausch kennen lernen; Experten sollen sich zu Experten-Netzwerke formieren, von deren geballtem Wissen dann alle Nutzer profitieren können. Ob die kritische Masse von Nutzern erreicht wird, muss sich noch zeigen.

CiteULike: CiteULike ist für inhaltlich Fortgeschrittene; ein Social Bookmarking Service für Akademiker, mit dessen Hilfe sie ihre wissenschaftlichen Artikel speichern, verwalten und mit anderen teilen können. Der Dienst ist für diesen Zweck mit besonderen Funktionen ausgestattet. So werden bei den gespeicherten Seiten nicht nur die URL sondern die exakten Quellenangaben (Titel, Autor, Titel des Journals, etc.) übernommen. Die gespeicherten Inhalte können mit Tags klassifiziert werden und Nutzer mit ähnlichen Interessen oder beruflichen Hintergründen können sich in Gruppen zusammenfinden. CiteULike funktioniert in jedem Browser und benötigt keine weitere Installation.

Zotero: Zotero, das sogenannte „Next-Generation Research Tool“ geht in die gleiche Richtung wie CiteULike. Kernzielgruppe sind auch hier Akademiker und Bibliothekare. Seine vergleichsweise komplexen Funktionen können aber für alle interessant sein, die viel recherchieren. Es handelt sich bei Zotero um eine freie Open-Source Lösung, die als Erweiterung nur in den neuen Firefox 2.0 integriert werden kann und nicht mit früheren Versionen kompatibel ist. Zotero habe ich in einem früheren Beitrag bereits ausführlich vorgestellt.

Bei der Erstellung dieser Liste habe ich versucht, ein gewisses Spektrum an Social Bookmarking Diensten abzudecken in der Hoffnung, dass für die unterschiedlichsten Anforderungen und Bedürfnisse etwas dabei ist. Allen, die noch keine Erfahrungen mit Social Bookmarking haben, würde ich raten, sich einen Service auszusuchen und dann einfach anfangen zu experimentieren, denn wie sagt das Sprichwort – „Probieren geht über Studieren“.

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