Das persönliche Wiki

Beim Stichwort „Wiki“ denken wohl die meisten spontan an Wikipedia. Die Inhalte für die umfangreichste Enzyklopädie im Web werden von Tausenden von Freiwilligen auf der Basis eines Wiki-Systems erstellt. Aus diesen beiden Komponenten setzt sich denn auch der Name Wikipedia zusammen. Enzyklopädie ist soweit klar, aber …

… was genau ist ein Wiki?

Ein Wiki ist eine Website, die aus einer Sammlung von Einzelseiten besteht, die von den Nutzern nicht nur gelesen, sondern auch bearbeitet werden kann und entspricht dadurch dem ursprünglichen read/write Ansatz der Web Pioniere um Tim Berners-Lee. Der erste Webbrowser funktionierte in beide Richtungen, er war sowohl Browser (Lesen), als auch Editor (Schreiben). Erfunden wurden Wikis vor etwas mehr als 10 Jahren von Ward Cunningham. Das Wort „wiki“ kommt übrigens aus dem Hawaiianischen und bedeutet „schnell“. Wie das Beispiel Wikipedia eindrucksvoll zeigt, eignen sich Wikis hervorragend für die gemeinsame Erstellung und Bearbeitung von Informationen.

Wikis für Einzelkämpfer?

tiddlywiki.jpg

Während Blogs hauptsächlich für die individuelle Nutzung ausgelegt sind, werden Wikis stark mit Gruppen, Teamwork und Kollaboration assoziiert. Es gibt aber eine spezielle und atypische Variante von Wikis, die sogenannten TiddlyWikis. Sie wurden von ihrem Erfinder Jeremy Ruston für die individuelle Nutzung – als persönliches Notizbuch – konzipiert. Ein TiddlyWiki besteht lediglich aus einer einzigen HTML Datei, die mit CSS und Javascript Codes für Erscheinungsbild und Funktionen angereichert ist. Diese HTML Datei lädt man zunächst in einer lokalen Version auf den Rechner. Mit jedem gängigen Browser lässt sich danach das persönliche TiddlyWiki lesen und editieren. Da die Datei auf dem eigenen Rechner (client-side) liegt, ist noch nicht mal eine Internet Verbindung notwendig. Ein neuer Eintrag heißt Tiddler – wodurch sich nebenbei der Name erklärt. Hier gibt es auch eine deutliche Parallele zu Blogs, die Jeremy Ruston so formuliert:

A TiddlyWiki is like a blog because it’s divided up into neat little chunks (tiddlers), but it encourages you to read it by hyperlinking rather than sequentially: if you like, a non-linear blog analogue that binds the individual microcontent items into a cohesive whole. I think that TiddlyWiki represents a novel medium for writing, and will promote its own distinctive Writing Style.

TiddlyWiki Anschauungsbeispiel

Inzwischen gibt es unzählige Variationen des originalen TiddlyWikis. Darunter sind auch welche, die man ins Netz stellen (server-side) und als Website oder Blog(ersatz) nutzen kann. Ein Beispiel dafür gibt es in meiner WordPress.com „Nachbarschaft“: Prof. Dr. Thomas Pleil, der Public Relations an der Hochschule Darmstadt lehrt, nutzte ein TiddlyWiki eineinhalb Jahre als Website, bevor er zu einem WordPress.com Blog wechselte. Sein Verdikt:

Die alte Homepage: Sie basierte auf einem TiddlyWiki, das ist eine Art Wiki für Einzelkämpfer – sprich: gänzlich unsozial. Hat aber den Vorteil, dass man auf dem eigenen Rechner wie in einem Wiki arbeiten kann. Etwas nervig ist auf Dauer, dass die Aktualisierungen per FTP hochgeladen werden müssen. Sehr praktisch dagegen ist, das TiddlyWiki z.B. zum Vorbereiten von Workshops oder als Einfach-Homepage zu nutzen.

TiddlyWikis Directory

Wer vielleicht neugierig geworden ist und mehr über TiddlyWikis und die verschiedenen Varianten erfahren will, für den gibt es eine gute Anlaufstation: Saurier Duval hat auf seinem Blog before you Think! eine ausführliche und schön aufbereitete Übersicht mit dem Titel TiddlyWiki Mania veröffentlicht. Unbedingt die Kommentare mitlesen, wo noch weitere gute Hinweise versteckt sind.

Mein TiddlyWiki, nur für mich, ganz allein …

Ich für meinen Teil nutze das GTD Tiddly Wiki als Productivity Tool, um mich zu organisieren – in Verbindung mit der Ta-Da-List und der GTD Gmail Extension für Firefox.

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2 Gedanken zu „Das persönliche Wiki

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