Dare to Share: Eine neue Kultur der Zusammenarbeit in Unternehmen

Die permanenten Veränderungen in der digitalen Technologie und im Netz haben nachhaltigen Einfluß auf die Kommunikation und die Zusammenarbeit in Unternehmen. Das Web 2.0 war zu Beginn ein Phänomen im Consumer Bereich. Die Unternehmen taten sich eher schwer mit der Adaption von Web 2.0 Technologien, also der Transformation in ein Enterprise 2.0. Inzwischen haben sich die Widerstände gelegt. Die  möglichen Vorteile für Unternehmen liegen in einer besseren Vernetzung, stärkerer Interaktion, größerer Transparenz, sowie besserer Zusammenarbeit und Kooperation der Mitarbeiter.

Die  Steigerung der kollektiven Intelligenz und der Produktivität  können zu entscheidenden Vorteilen im Wettbewerb führen. Mit diesem Thema beschäftigte ich mich sehr stark in den Jahren 2006 bis 2008. Der Name dieses Blogs (c/o operative) entstand in diesem Zusammenhang. 2006 verfasste ich für CHECK.point eLearning den Markreport “Enterprise 2.0: Web 2.0 in Unternehmen”. Inzwischen verfolge ich dieses Thema nur noch aus dem Augenwinkel heraus. Mein Fokus hat sich in Richtung Online- und Social Media Marketing verschoben. Dennoch freue ich mich über die positive Entwicklung, die in dieser Infographik von Socialcast anschaulich gemacht wird:

Dare to Share: A New Culture of Collaboration in the Enterprise

[Dank an Hugo E. Martin (Facebook) für den Hinweis.]

Social Bookmarks auf der Flucht: Lösungen für das Delicious Debakel

Letzte Woche sickerte durch, dass Yahoo! den Social Bookmarking Dienst delicious schließen wolle. Nach heftigen öffentlichen Reaktionen wurde dies von offizielle Seite abgeschwächt und von einem Verkauf an einen geeigneten Investor gesprochen. In der Zwischenzeit solle die Funktionsfähigkeit des Dienstes erhalten bleiben.

Da aber aber das Team inzwischen entlassen wurde, kann wohl nur von einem Wartungszustand die Rede sein. Wobei ich nicht verstanden habe, wieso Yahoo! kein Monetarisierungsmodell für delicious aufgesetzt hat. Auf Grundlage einer starken Nutzerbasis und einem werbeflankierten Freemium-Modell hätte man es doch zumindest versuchen können.

Der Prototyp eines Web 2.0 Dienstes

Delicious ist, wie es Techmeme Macher Gabe Rivera auf Twitter ausdrückte, nicht irgendein Tool, sondern der prototypische Web 2.0 Dienst. Neben den produktiven Vorteilen für jeden einzelnen, wurde die Plattform insgesamt intelligenter, je mehr Menschen sie nutzten. Durch eine große (5,3 Millionen User Ende 2008) und stark web- und technologieorientierte Klientel wurde delicious auch zu einer wertvollen Search- und Discovery Engine (z.B. Hotlist, Popular Bookmarks, Explore Tags, Tags per RSS abonnieren). Ein sozialer Effekt, der sich quasi nebenbei einstellte, aber für viele einen beachtlichen Mehrwert lieferte.

Nachdem ich zunächst Furl für das Social Bookmarking nutzte, kam ich im März 2005 zu delicious und war fasziniert. Seither ist es eines meiner wichtigsten Werkzeuge überhaupt, mein erweitertes Gedächtnis, die Datenbank, in die alle als wichtig erachteten Links aus den verschiedenen Newsquellen wie Feedreader (Google Reader, Netvibes), Memetrackern (Techmeme, Rivva), Twitter, Facebook, etc. expediert und Tags versehen werden.

Evakuierungspläne und Alternativen

Während Leute, die nur ein paar Dutzend Bookmarks auf delicious haben, relativ locker mit der Situation umgehen können, müssen sich andere, die über Jahre hinweg tausende von Bookmarks angelegt haben, dann doch über Evakuierung Gedanken machen und geeignete Alternativen suchen.

Diese wurden auch sofort nach Bekanntwerden der Yahoo! Pläne ins Spiel gebracht und diskutiert. Für weniger prominente Social Boomarking Services ergeben sich jetzt natürlich ganz neue Chancen, wenn sie abwandernden delicious Nutzern und ihren gesammelten Bookmarks ein neues Zuhause bieten können. In meine engere Wahl zog ich Diigo und Pinboard.  Diigo benutze ich seit 2006 neben delicious, vor allem wegen seiner ausgeprägten Annotierungsmöglichkeiten auf Webseiten. Diigo ist ein sehr ambitioniertes Projekt, das seine Entwicklung stetig vorantreibt und durch seine vielen ausgefeilten Features als Schweizer Messer gilt. Tim Krischak spricht auf Kommunikation – zweinull für viele, die Diigo schon lange als die bessere Alternative zu delicious betrachten.

Pinboard dagegen zeichnet sich durch ein reduziertes Design und die Konzentration auf die wesentlichen Funktionen des Social Bookmarking (Bookmarks ablegen und taggen) aus. Um das zu unterstreichen werden die Claims “antisocial boomarking” und “social boomarking for introverts” benutzt. Es handelt sich dabei ein Projekt des ehemaligen Yahoo! Entwicklers Maciej Ceglowski, der auch schon von Twitter für die Erstellung einer internen Datenbank engagiert wurde. Im Unterschied zu Diigo gibt es bei Pinboard keine kostenlose Einstiegsvariante. Für die Nutzung des Dienstes wird gleich eine Anmeldegebühr fällig, die momentan bei 8,74  Dollar liegt und mit jedem neuen Mitglied um um 0,001 Cent steigt. Für einen jährlichen Betrag von 25,00 Dollar speichert Pinboard dann alle Seiten und ermöglicht dadurch auch ein Volltextsuche. Die einmalige Ameldegebühr wird im ersten Jahr verrechnet. Mehr Infos zu Pinboard gibt’s bei Blumenstrasse.

Sowohl Diigo als auch Pinboard stellen ihre jeweiligen Unterschiede und Vorteile im Bezug auf delicious für Wechselwillige klar heraus. Bei beiden Diensten funktionierte der Transfer meiner weit über 10.000 Bookmarks einwandfrei, ohne dass Bookmarks oder Tags verlorengingen, zumindest soweit ich das bis dato überblicke. Ich weiß, dass meine Daten / Bookmarks erst mal gesichert sind. Ein Restrisiko bleibt in der Cloud immer, wie der Absturz von Magnolia eindrücklich belegte. Deswegen sollte man unabhängig von der Plattform regelmäßig Backups machen. Momentan kann ich mich noch nicht für einen der beiden Dienste entscheiden. Außerdem benutze ich delicious weiterhin aus sentimentaler Anhänglichkeit und in der vagen Hoffnung, dass es doch noch eine Chance für dessen Fortbestand gibt. Denn beide Optionen, also Diigo und Pinboard, lassen sich bequem mit Delicous synchronisieren.

Die unsichere Zukunft von delicious

Wie die Zukunft von delicious aussehen könnte, hat Stephen Hood, ein ehemaliger delicious Mitarbeiter skizziert. Er spielt verschiede Möglichkeiten durch, von einem Verkauf an Dritte, über Open Sourcing bis hin zur Übergabe an die Libary of Congress oder das Smithonian Insitute. Sie alle haben gemeinsam, dass delicious nicht mehr in der gewohnten Form weiter existieren würde. Andere setzen auf eine proprietäre Lösung und die Übernahme durch die Branchenriesen Microsoft oder Google. Beide könnten delicious aus der Portokasse bezahlen und hätten durch ihre Werbemodelle Möglichkeiten, die Plattform zu finanzieren.

Gerade für Google spricht, erstens,  dass delicious zum Statement passt, Google wolle die Informationen der Welt organisieren. Zweitens, würde Google Punkte bei der internationalen WebTech Community sammeln. Und drittens, könnte Google die vielen, von Menschen kuratierten Links und sozialen Daten auf delicious auswerten und für die Verfeinerung des eigenen Algorithmus nutzen. Darüber hinaus wäre es doch sinnvoll, wenn Google delicious auch Annotations-Funktionen à la Diigo spendieren und damit sein erfolgloses Sidwiki Experiment ersetzen könnte.

Peter Kruse auf der re:publica 2010: Wie Netzwerke Wirtschaft und Gesellschaft revolutionieren

Während der zweite Tag der re:publica 2010 gerade beginnt, ist ein Highlight des ersten Tages bereits dokumentiert und zur re:view bereitgestellt. Peter Kruse erforscht die Nutzung kollektiver Intelligenz und, lehrt an der Uni Bremen Allgemeine und Organisationspsychologie und leitet das Beratungsunternehmen nextpractice.

Sein Vortrag “What’s next: Wie die Netzwerke Wirtschaft und Gesellschaft revolutionieren”, stieß auf sehr positive Resonanz. Ulrike Reinhard hat die Session aufgezeichnet und online gestellt. Auf Scribd gibt’s darüber hinaus noch die Folien der Präsentation.

McKinsey: Sechs Erfolgsfaktoren für Web 2.0 in Unternehmen

Social Networking Seiten wie Facebook oder MySpace werden monatlich von hunderten von Millionen Menschen besucht. Was die private Nutzung angeht, haben sich Web 2.0 Dienste in den letzten fünf Jahren vom Rand her kontinuierlich in Richtung Mainstream bewegt.

Auch Unternehmen versuchen, die möglichen positiven Effekte von Web 2.0 zu nutzen, das eine ganze Reihe von Technologien wie Blogs, Wikis, Podcasts, Verschlagworten von Informationen (‘Tagging’) oder soziale Netzwerke umfasst. Der Internet Vordenker Clay Shirky sieht den größten Mehrwert darin, ungenutztes Potenzial bei den Mitarbeitern durch partizipatorische Tools zu aktivieren und den Unternehmen dadurch einen Zuwachs an Intelligenz zu sichern.

McKinsey hat in den vergangen zwei Jahren 50 Unternehmen und ihre Bemühungen, Web 2.0 zu implementieren untersucht, um herauszufinden, wie man dabei möglichst erfolgreich vorgeht und welche Faktoren entscheidend sind. In dem Artikel ‘Six ways to make Web 2.0 work’ werden die Ergebnisse vorgestellt und mit der Einführung vorangegangener Technologien wie Enterprise Resource Planning (ERP), Customer Relationship Management (CRM) und Supply Chain Management (SCM) verglichen.

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Sascha Lobo startet eigenes Blog

Im Schatten der Amtseinführung von Barack Obama ließ Sascha Lobo gestern die erste offizielle Post auf seinem neuen Blog saschalobo.com vom Stapel. Für jemanden, der zwar die deutschen Twittercharts anführt, andererseits aber schon ganze Bücher mitverfasst hat, sind 140 Zeichen auf Dauer dann doch zu “gequetscht” (O-Ton). Die Plattform Blog bietet offensichtlich umfangreichere Möglichkeiten zur Selbstdarstellung und nebenbei die Option, den Twitterstream zu integrieren.

Das Design des Blogs ist ansprechend, die Zahl der eingerichteten Kategorien ambitioniert. Da will noch einiges nach konstituierenden Startpostings mit weiteren Inhalten gefüllt werden. Blogo Lobo setzt auf Interaktion und kollektive Intelligenz und denkt “vielleicht auch an einen kollektiven Coautor, ein Coautorenkollektiv.” Mit einer leichten Neigung zum Pathos, die aber im gestrigen Inaugurationstaumel kaum aufgefallen sein dürfte, bringt er zum Schluss die Intention nochmal auf den Punkt: “Dort draussen wollen viele Bücher geschrieben werden. Hier finde ich heraus, welche.”

Stefan Niggemeier hat gestern nur kurz darauf hingewiesen, dass Sascha Lobo bloggt und damit eine sehr unterhaltsame Konversation in den Kommentaren angestoßen.

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Kevin Kelly und die Zukunft des Web

Das (öffentlich zugängliche) Web ist gerade mal 15 Jahre alt. Niemand konnte sich in seiner Anfangszeit auch nur im Entferntesten vorstellen, welch rasante Entwicklung dieses Medium nehmen würde. Der Autor, Herausgeber und Verleger Kevin Kelly versucht, das eigentlich Unmögliche, nämlich die zukünftige Evolution des Web zu antizipieren.

Kevin Kelly @ TED Talks

In seinem inspirierenden TED Talk Predicting the next 5,000 days of the web, aufgenommen im Dezember 2007, benutzt er verschiedene Analogien und Metaphern, um die sich entfaltende Natur des Web zu beschreiben: ein globaler Verstand, eine große Maschine, die ohne Unterbrechung funktioniert; ein riesiger Organismus, in dem das Atomare und das Digitale konvergieren; das Internet of Things, in dem nicht mehr nur Seiten, sondern Objekte, Daten und Ideen verlinkt sind; das Eine, in dem letztendlich alles miteinander verbunden ist.

Auf seinem Blog The Technium führt er diese Überlegungen in zwei aktuellen Artikeln weiter aus. In Cloud Culture beschreibt er die Entwicklung hin zur Cloud World, wo alle unsere Arbeiten und Daten, egal auf welchen Geräten produziert, in einem omnipräsenten Web gespeichert sind.

In the future, the cloud and cloud intelligence will be our Golden Compass demons. Separation from the advice and comfort afforded by the cloud will be horrendous and unbearable. [...]

If McLuhan is right that tools are extensions of our selves — a wheel an extended leg, a camera an extended eye — than the cloud is our extended soul.  Or, if you prefer, our extended self.

In Evidence of a Global SuperOrganism stellt er die Hypothese auf, dass sich durch die Vernetzungsmöglichkeiten des Internet und aller angeschlossenen Rechnerkapazitäten ein globaler Superorganismus entwickelt, der auf dem Weg ist, ein autonomes Bewußtsein hervorzubringen.

It in a certain way it already is. Whenever you are online, whenever you click on a link, or create a link, your processor is participating in the yet larger cloud, the cloud of all computer chips online. I call this cloud the One Machine because in many ways it acts as one supermegacomputer. [...]

This megasupercomputer is the Cloud of all clouds, the largest possible inclusion of communicating chips. It is a vast machine of extraordinary dimensions. It is comprised of quadrillion chips, and consumes 5% of the planet’s electricity. It is not owned by any one corporation or nation (yet), nor is it really governed by humans at all. Several corporations run the larger sub clouds, and one of them, Google, dominates the user interface to the One Machine at the moment.

Mich erinnert das vom Ansatz her an Teilhard de Chardin’s Konzept der Noosphäre, das der oben zitierte Marshall McLuhan später aufgriff und definierte als “kosmische Membran, die sich durch die elektrische Erweiterung unserer verschiedenen Sinne rund um den Globus gelegt hat”. Auch Volker Strübing näherte sich dem Thema in Das besoffene Internet mit einigen interessanten Überlegungen:

Ich finde die Vorstellung faszinierend, dass es irgendwann zu Bewusstsein erwacht. Oder schon zu Bewusstsein erwacht ist … wer weiß? Denn selbstverständlich würden wir nichts davon bemerken. Ein einzelnes Neuron, dass Signale erhält und bei Erreichung des Schwellenpotetials weiterleitet, weiß nichts davon, dass es gerade daran mitwirkt, einen Eintrag im Schnipselfriedhof zu verfassen. Und ein Mensch, der gerade einen Eintrag in sein Weblog schreibt, in einem Online-Spiel ein Monster killt oder eine wütende Email schreibt, nachdem der Ärger über andere Emails sein Schwellenpotential erreicht hat, ahnt nicht, dass er in Wirklichkeit nur von diesem neuerwachenden Bewusstsein dazu benutzt wird, den Gedanken “Ich denke, also bin ich” hervorzubringen …´

[HInweis auf Kevin Kelly Video & Artikel: Markus Spath / netzwertig.com]

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WE Magazine am Start

Erst neulich habe ich mich gefragt, was aus dem WE (will rock you!) Projekt von Ulrike Reinhard und ihren Mitstreitern geworden ist. Die Antwort kam denn auch prompt in Form einer email von Ulrike, in der Sie mich auf die erste Ausgabe des we-magazine aufmerksam machte.

Der inhaltliche Fokus liegt auf dem Potenzial des Internet bzw. des WWW, die Dinge nicht als isolierte Einzelne sondern gemeinschaftlich, als Wir anzugehen und zu bewegen. Die erste Ausgabe des Magazins liefert einen breiten Mix an Themen und enthält Beiträge von bzw. Interviews mit international renommierten Web Celebrities wie Stephen Downes, Dan Gillmor, Joichi Ito und der charmanten Regine Debatty.

Die Inhalte unterliegen der CC Attribution-Noncommercial-Share Alike, Germany Lizenz und sind in verschiedenen Formaten erhältlich: Als kostenlose Texte im Web; darüber hinaus kostenpflichtig als ebook und als Druckversion auf lulu.com. Für die Zukunft ist ein vierteljährliches Erscheinen des Magazins geplant. Da Ulrike viel in der Welt rumkommt und alles kennt, was im Internet Rang und Namen hat, kann man sich auf weitere interessante Ausgaben freuen.

Als Teaser für die Erstausgabe habe ich das Interview mit Ethan Zuckerman, dem Mitbegründer von Gobal Voices ausgesucht, dessen Blog My heart’s in Accra seit zwei Jahren einen festen Platz in meinem Feedreader hat.

ethan zuckerman

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