Ist das Online Werbemodell tot?

Auf dem Revenue Bootcamp, das von Guy Kawasaki organisiert wurde und auf dem Microsoft Campus in Mountain View stattfand, diskutierten hochrangige Experten am 10. Juli 2009 über die Aussichten von Online Werbung.

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Auf dem Podium versammelt waren Samir Arora, Geschäftsführer von Glam Media; Neil Chase, Vizepräsident Author Services bei Federated Media; Tim Kendall, Director Monetization bei Facebook; David Kopp, Senior Director, North American Ads von Yahoo! und Xavier Zang, zuständig für das Publisher Partner Management von Microsoft. Die Runde, moderiert von Bill Reichert (Kawasaki’s Partner bei Garage Technology Ventures), war sich – wenig überraschend – darin einig, dass immer noch gute Chancen für Wachstum bestehen.

Gibt man Online Werbung in Google News ein, werden dagegen weniger einmütige, vielmehr völlig gegensätzliche Meldungen und Einschätzungen zu diesem Thema zu Tage gefördert. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Online Werbung ein Sammelbegriff ist, der für sehr unterschiedliche Ausprägungen wie beispielsweise klassische Bannerwerbung, Suchmaschinenmarketing, Suchmaschinenoptimierung oder Affiliate Marketing steht und die sich gerade in Zeiten der Krise auch recht unterschiedlich entwickeln.

[via Building 43]

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Paying (for) Attention – Ein etwas anderes Geschäftsmodell für Twitter

Die Frage nach einem konkreten Geschäftsmodell von Twitter steht bislang unbeantwortet im Raum. Von Seiten der Geschäftsführung und Investoren gab es bisher nur vage Andeutungen und Ankündigungen. Bis sich etwas Konkretes tut, wird diese Lücke eben durch wilde Spekulationen und wohlgemeinte Ratschläge gefüllt.

Mahalo Geschäftsführer Jason Calacanis gibt immer wieder mal ein paar Ideen zum Besten, die zumindest für Aufmerksamkeit und ein bischen Linkbaiting sorgen.

Seine neueste: Er wäre bereit, für einen garantierten Platz in der von Twitter ausgesuchte Liste von suggested users für einen Zeitraum von zwei Jahren 250.000 US Dollar zu bezahlen. Später stockte er sein Angebot sogar auf 500.000 US Dollar für drei Jahre auf.

Ein Top Slot in den suggested users bringt angeblich 5.000 bis 10.000 Follower pro Tag. Das könnte beispielsweise auch für E-Commerce Unternehmen wie Amazon oder Ebay interessant sein. Diesen Effekt würde er jedenfalls gerne nutzen, um seinen Service Questions zu promoten. Auf dem @questions Account sollten dann pro Tag 5 Fragen gepostet werden. Ab hier fängt dann seine sehr interessante Rechnung an:

Everyone loves a timely or fascinating question and, in my estimation,I would get a one percent clickthrough rate on each question. If I was able to reach three million followers, and kept half of them (1.5m), that means every tweet would get 15,000 visits. Five a day means 75,000 daily visits, and over two million visits a month–or close to 50m visits of two or three years. Some percentage of those two million would participate in Mahalo by asking or answering questions, and if that number is also .5 to 1%, that means I would get about 250,000 new members for my service.

Die Frage ist natürlich, ob diese Rechnung aufgehen würde. Auch wenn das so auf Twitter wahrscheinlich nicht stattfinden wird, ist sein Ansatz mal etwas anderes als die üblichen Vorschläge wie Premium Dienste, Werbung, API-Nutzung oder Übernahme durch Google. Calacanis sieht hier eine völlig neue Form von Direktmarketing im Entstehen begriffen:

Direct marketing by mail changed retail forever, as did the Web and email. Twitter will take that to an entirely new level. Why? Because people *live* inside of Twitter like they have never lived inside of a product before. […] Twitter is a giant, open email box that we all hang out in every day.

Das klingt nicht gerade nach Social Media Mindset und Dialog, eher nach Web 1.0 und Ausrichtung auf qualitative Aspekte wie Traffic.

Aber ich denke, neben Calacanis nutzen auch unzählige andere Web Celebrities wie Robert Scoble, Chris Brogan oder Guy Kawasaki Plattformen wie Twitter oder Facebook – trotz allen “sozialen” Engagements – gezielt, um sich und ihre jeweiligen Projekte zu promoten. Und bisher völlig kostenlos. Nebenbei: Wie verarbeitet Guy Kawasaki eigentlich die Tweets von knapp 99.000 Leuten, denen er folgt?

Viel interessanter als diese Frage ist allerdings, mit welch genialem Monetarisierungs-Konzept Evan Williams und Co. uns dereinst überraschen werden. Jeremiah Owyang denkt das Ganze schon mal weiter in Richtung Social CRM.

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Google verstehen: Strategie, Erfolgsfaktoren, Geschäftsmodelle

Bis Mitte der 90er Jahre galten Suchmaschinen lediglich als nettes Beiwerk, das Geld kostet, statt welches einzubringen. Bill Gates hat bei seinem Abschied von Microsoft wehmütig eingeräumt, die Bedeutung von Suchmaschinen speziell in Kombination mit Online-Werbung nicht bzw. zu spät erkannt zu haben.

Die Standford Studenten Larry Page und Sergey Brin wollten ihre seit 1995 entwickelte innovative Suchtechnologie zunächst an etablierte Suchmaschinen verkaufen. Keine wollte sie haben. So waren die beiden gezwungen, ihre eigene Firma zu gründen. 1998 stellte Sun Gründer Andy Bechtolsheim nach einem halbstündigen Gespräch einen Scheck über 100.000 US Dollar an die neugegründete Firma Google aus. Der Rest ist Geschichte.

Der unglaubliche Aufstieg dieses Unternehmens, das dieses Jahr gerade mal sein 10jähriges Firmenjubiläum feierte, ist immer wieder Gegenstand von Betrachtungen, Diskussionen und Analysen. Das französische Beratungsunternehmen faberNovel hat vor kurzem eine vielbeachtete Präsentation unter einer CC Lizenz veröffentlicht: “Everything you always wanted to know about Google … But were afraid to ask”.

Darin werden Google’s Strategie, Erfolgsfaktoren und Geschäftsmodelle erläutert und überdies erklärt, wieso Google auch in Zeiten wirtschaftlicher Krise seine Umsätze sogar steigern kann. Ergänzend zur Präsentation gibt es auf Scribd ein Whitepaper mit dem Titel “Google’s Key Success Factors”, in dem Google’s ausschlaggebende Erfolgsfaktoren nochmal gesondert und ausführlich betrachtet werden.

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Google, Twitter und Geschäftsmodelle in der Krise

In Zeiten von Finanzkrise und wirtschaftlichem Abschwung werden Fragen nach Geschäftsmodellen gerade im Web(2.0) immer häufiger und eindringlicher gestellt. Fred Wilson, einem der Investoren (VCs) beim Microblogging Dienst Twitter platzte in einem Wired Interview der Kragen:

It’s like the stupidest question in the world: How’s Twitter going to make money?,” [...] “It’s like ‘How was Google going to make money? Eventually Google was going to make money and they figured out how to do it and they figured out a great business, and I think the same thing is true with Twitter.

Henry Blodget von Silicon Alley Insider und offensichtlicher Twitter Fan lehnt sich sehr weit aus dem Fenster und schätzt, dass Twitter bald mehr als eine Milliarde Dollar wert sein könnte (auf Grundlage einer gallopierenden Inflation?). Er weiß zwar auch nichts Konkretes, geht aber einfach davon aus, dass es schon klappen wird, eine Einnahmequelle aufzutun. Google hätte es ja auch geschafft. Ziemlich sicher dagegen ist, dass sich bei Twitter jetzt der Druck erhöht, langsam mal Geld zu verdienen. In der ersten Hälfte 2009 soll endlich das (neue) Geschäftsmodell vorgestellt werden. Ich bin gespannt, ob es sich dabei um eine Lösung jenseits der üblichen Varianten wie a) Nutzungsgebühren für Premium Dienste oder b) Werbeeinblendungen oder c) Übernahme durch einen großen Konzern handeln wird.

Tatsächlich hat aber auch Google über zwei Jahre gebraucht, bis sich mit der ersten Version von Google AdWords der Ansatz eines Geschäftsmodells herauskristallisierte – damals noch auf Basis eines Tausenderkontakpreis-Abrechnungsmodells (CPM). Im Unterschied zu Twitter’s aktueller Situation war Google damals allerdings schon im Mainstream angekommen, galt bereits als beste Suchmaschine und war mit über 1 Milliarde URLs im Index seit Mitte 2000 auch die größte. Ständige Verbesserungen wie die Übernahme von Overture’s pay-per-click Auktions-Modell und die Einführung von Relevanz durch die click-through-rate kreierten schließlich jene Gelddruckmaschine, die Google auch in schwierigen Zeiten noch Wachstum beschert, wie die jüngsten Quartalszahlen belegen. Etliche Fachleute vermuten, dass gerade in Krisenzeiten leistungsorientierte Werbemodelle wie Google AdWords oder Google AdSense gegenüber klassischer Bannerwerbung bevorzugt werden und Google damit und den Zuwächsen durch die Märkte in Asien relativ rezessionssicher aufgestellt ist.

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Was bedeutet die globale Finanzkrise für das Web 2.0?

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IDC Prognose: Weltweiter Anstieg von mobilen Internetzugängen und Web 2.0 Aktivitäten

Zur Zeit benutzt etwa ein Viertel der Erdbevölkerung regelmäßig das Internet. Dieser Anteil wird laut IDC’s Digital Marketplace Model and Forecast bis 2012 auf 30% bzw. auf 1.9 Milliarden Nutzer (‘unique users’) ansteigen.

Noch ist der PC das vorherrschende Medium für den Zugang zum Internet. Ab 2012 soll er in dieser Hinsicht allerdings vom Mobiltelefon überholt werden und dadurch das Internet wirklich allgegenwärtig (‘truly ubiquitous’) machen, so John Gantz von IDC.

Die Nutzer werden zwar immer noch Zeit mit Web 1.0 Aktivitäten wie Suche, Einkaufen und Email verbringen. Web 2.0 Aktivitäten wie das Anschauen von nutzergenerierten Videos, das Schreiben von Blogbeiträgen und Socialnetworking werden aber immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Einige weitere Erkenntnisse der Untersuchung:

  • Heute gibt es Internetzugang über 1.5 Milliarden Geräte wie PCs, Mobiltelefone oder Online Spielekonsolen. 2012 wird sich die Zahl der Geräte verdoppeln. 1.5 Milliarden davon werden Mobiltelefone sein.
  • Bereits 2007 hat China die USA überholt, was die Zahl der Internetnutzer angeht. Die Zahl der Chinesen mit (eingeschränktem) Internetzugang soll bis 2012 von jetzt 275 Millionen auf 375 Millionen steigen.
  • Die weltweiten Ausgaben für Online Werbung werden sich 2008 auf 65.2 Milliarden Dollar belaufen, was einem Anteil von 10% aller getätigten Werbeausgaben entspricht. Dieser Anteil soll bis 2012 auf 13% und 106.6 Milliarden Dollar steigen.
  • Zur Zeit verfügen etwa 40% der Internetnutzer weltweit über einen mobilen Internetzugang. 2008 wird diese Zahl 546 Millionen erreichen. Für 2012 prognostiziert die Studie das Überschreiten der 1.5 Milliarden Grenze.

(Photo by Dollie Mixtures under a CC License)

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GeekSpeakr: Frauen an die Rednerpulte

Frauen und Technik? Nach traditionellem Verständnis eher unvereinbare Gegensätze. Auch wenn Frauen heute vermehrt in technologische Bereiche vorstoßen, sind sie immer noch stark unterrepräsentiert. Dieses Missverhältnis zeigt sich auch immer wieder auf Technologie-Konferenzen, bei denen Frauen sowohl als Teilnehmerinnen und erst recht als Rednerinnen in der Minderheit sind.

Die Neuseeländerin Brenda Wallace will mit GeekSpeakr dazu beitragen, ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen den Geschlechter auf den Rednerlisten von Technologie-Konferenzen herzustellen.

Geek Speak Women

GeekSpeakr ist ein Forum, auf dem sich Frauen aus der Tech-Szene als Sprecherin registrieren und danach ihr Profil einstellen können, um sich dadurch für Konferenzveranstalter zu empfehlen. Interessierten stehen neben einer Suchfunktion auch zwei Tagcoulds zu Themen (Topics) und Standort (Location) zur Verfügung. Aus Deutschland sind zum jetzigen Zeitpunkt vier Ladies vertreten. Ich denke, da ist noch Spielraum.

(via MoMB)

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JotSpot reinkarniert als Google Sites

Ende Oktober 2006 akquirierte Google den Wiki Service JotSpot. 16 Monate und unzählige Spekulationen später, lüftete Google vor drei Tagen das Geheimnis um dessen weitere Verwendung.

Google Sites basiert auf der JotSpot Technologie und verstärkt Google Apps, die Online Collaboration Suite von Google, zu der auch Gmail, Google Calender, Google Docs und Google Talk gehören.

Mit Google Sites können in einer Wiki-Arbeitsumgebung und ohne HTML Kenntnisse Webseiten gemeinsam erstellt werden, in denen neben Text auch Tabellen, Präsentationen, Slideshows, Kalender und Videos, etc. von anderen Google Diensten eingefügt werden können. Erklärtes Ziel ist es, den Nutzern in Unternehmen und Organisationen ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sich schnell und unkompliziert Intranet-, Projekt- oder Profilseiten bauen lassen.

Obwohl Google das Wort ‘Wiki’ vermeidet, sind wiki-typische Funktionen eingebaut. Jeder, der berechtigt ist, kann Seiten nicht nur lesen, sondern auch editieren. Alle Veränderungen werden aufgezeichnet, so dass sie bei Bedarf auch wieder rückgängig gemacht werden können.

Die Reaktionen auf Google Sites fallen sehr unterschiedlich aus. Während beispielsweise Venture Beat oder Webware.com lobende Worte finden, gibt es viele Stimmen, die nach 16 Monaten Entwicklung von einem Mega-Unternehmen wie Google etwas mehr erwartet hätten, etwa eine bessere Integration mit den anderen Diensten.

Was trotz aller ‘Unperfektheiten’ für Google spricht, sind die Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit der Services, die nicht vorhandenen bzw. niedrigen Kosten und die Gewissheit, dass auch ein steigender Bedarf bedient werden kann. Zumindest für kleinere und mittlere Unternehmen könnte das Google Apps Paket eine – wenn auch im Funktionsumfang reduzierte – Alternative zu Microsoft’s SharePoint oder IBM’s Lotus Notes darstellen. Mal sehen, ob Google’s Strategie, durch die Hintertür und an der IT vorbei in die Unternehmen zu gelangen, auf lange Sicht Erfolg haben wird.

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