IBM Lotus Connections – MySpace fürs Büro?

Am 22. Januar 2007 stellte IBM auf seiner jährlichen Lotusphere Konferenz Lotus Connections vor. Mit der integrierten Social Software Suite für den Unternehmenseinsatz will IBM sich einerseits im zukunftsträchtigen Enterprise 2.0 Markt in Position bringen und andererseits wieder an Boden gegenüber dem Konkurrenten Microsoft (Sharepoint, Exchange) gewinnen.

Lotus Connections besteht aus fünf Web 2.0 Komponenten, die unter einer Oberfläche versammelt sind und in ihrem Zusammenspiel die positiven Effekte von Social Networking in die Unternehmen bringen soll:

  • Activities - organisiert die Aktivitäten von Einzelnen und Gruppen
  • Communites – verbindet Menschen mit ähnlichen Interessen
  • Dogear – bietet Social Bookmarking im Stil von del.icio.us an
  • Blogs – fördert den Austausch von Wissen und Meinungen
  • Profiles - identifiziert Menschen anhand von Positionen, Zuständigkeiten, Erfahrungen und Interessen und Namen

Auf den Markt kommt Lotus Connections voraussichtlich Mitte des Jahres. Zur Preisgestaltung gibt es bislang noch keine konkreten Angaben. Der Begriff Social Networking sorgt in Kombination mit MySpace sicher für die gewünschte Aufmerksamkeit. Vielleicht wären Knowledge Management (klingt nicht ganz so sexy) oder der von Andrew McAfee eingeführte Terminus Enterprise 2.0 besser geeignet, die Intention des Produkts (bessere Kommunikation, Austausch und Vernetzung sowie gemeinschaftliche Organisation von Wissen) zu beschreiben.

Lotus Connections steht mit seiner Ausrichtung in direkter Konkurrenz zu SuiteTwo, einer Enterprise Collaboration Suite, die von Intel publicityträchtig auf dem Web 2.0 Summit vorgestellt wurde.

(Lotus Connections Graphik: Ed Brill)

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Wissensmanagement 2.0

Das Thema Web 2.0 für den Einsatz in Unternehmen ist schon seit längerem im Gespräch, wird aber, wie Thomas Pleil anmerkt, oft auf einen Aspekt reduziert:

In der Diskussion um Web 2.0 und Unternehmen wird mir zu viel über Blogs als PR- oder Marketing-Instrument (v.a. mit Zielrichtung Kunden) diskutiert und viel zu wenig über Wissensmanagement.

(in einem Kommentar zu “Die 10 besten Intranets 2007 – hyped by Web 2.0“)

Der Einsatz von Web 2.0 Technologien und Social Software ist in vielen Bereichen denkbar – für Wissensmanagement sind sie prädestiniert. Geht es doch gerade hier um Austausch, Beteiligung, Vernetzung, Interaktion sowie das gemeinschaftliche Sammeln und Strukturieren von Informationen im Rahmen von Projekten, Teams oder Abteilungen.

Mitarbeiter lernen am besten im Zusammenhang mit ihrer Arbeit und sehr oft durch Interaktionen mit Gleichgestellten. Social Software fokussiert auf diese informelle Kommunikation und bietet einen Ausgleich zu den formaleren Prozessen.

(Dieses Zitat stammt aus einem sehr lesenwerten Interview, das CHECKpoint eLearning mit dem Analysten Mike Gotta von der Burton Group führte.)

Die Analysten (Garnter, Burton Goup, McKinsey) prognostizieren übereinstimmend ein Ansteigen komplexer, nicht zu automatisierender Abläufe und Prozesse (“tacit interactions”). Wissensarbeiter, die sich in Teams, Abteilungen oder Netzwerken diesen Herausforderungen stellen, brauchen Software, die diesen Anforderungen auch gewachsen ist. Innovative Lösungen zur Erhöhung der Performance können dadurch entscheidende Wettbewerbsvorteile sichern.

Gotta äußert sich in dem bereits zitierten Interview zu vielen Aspekten, unter anderem zur Einführung von Social Software. Seine Empfehlung:

Ich würde nicht mehr als drei bis fünf Piloten zur gleichen Zeit starten. Einige Social Software-Tools sind ausgereifter (Blogs, Wikis), während andere sich gerade noch entwickeln (Tagging, Social Bookmark Service, Social Networking).

Wie ein konkreter Einsatz von Blogs in der Praxis aussehen kann, zeigt ‘Innovation Creator’ Rod Boothby in seinem Artikel “How to use Blogs in the Workplace”. Seine Argumentation geht von der steilen Adaptionskurve der von Blogs / Social Software im Consumer Bereich und den vergleichsweise geringen Kosten für die Einführung aus. Den Unterschied zwischen Blogs vor und hinter der Firewall charakterisert Boothby so:

The issue is one of creating a platform that supports many to many communication, as opposed to most consumer blogging tools, which were originally designed to support one to many communication.

Ausgehend vom Bedarf einer Beratungsfirma entwickelt er fünf Typen von Activity Centric Worksites auf der Basis von Blogsoftware mit dem Ziel, die Unternehmenskommunikation zu verbessern:

  • Project Worksites – projektbezogene Kommunikation
  • Client Worksites – kundenspezifische Kommunikation
  • People Worksites – für den internen Ableich / Updates
  • Pracitce Worksites – für die Kommunikation innerhalb eines Teams
  • Focus Worksites – für kleine Teams, die an speziellen technischen Lösungen arbeiten

Am Ende seines Beitrags gibt er noch einige Tips, u. a. diesen hier:

Forget Dashboard – Use an RSS Reader – If you are a senior executive responsible for a whole cascade of projects, use a tool like Netvibes to monitor each of those projects. Skim the headlines. Click on the posts that seem to need your attention.

.. wobei ich mich frage, wieso er diese Empfehlung auf Projektverantwortliche beschränkt. Ein Tool wie Netvibes kann für den “gewöhnlichen” Projektmitarbeiter genauso nützlich sein.

Klassiker zum Thema:

Martin Röll: “Distributed KM – Improving Knowledge Workers’ Productivity and Organisational Knowledge Sharing with Weblog-based Personal Publishing”

Andrew P. McAfee: Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration

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Seth Godin’s Web 4

Geschichten vom neuen Web, vor allem von kommenden neuen Versionen sorgen immer für ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit. Seth Godin bemüht jetzt Web 4, nachdem Web 2.0 gerade passiert und Web 3, das semantische Web von Tim Berners-Lee noch auf sich warten lässt:

And it’s entirely possible that Web4 will get here before the semantic web even though Web 3 makes it work a lot better. We start with this:

  • Ubiquity
  • Identity
  • Connection

We need ubiquity to build Web4, because it is about activity, not just data, and most human activity takes place offline.

Web 4 soll weitaus interaktiver, intelligenter (lernfähiger) und durch mobile Technologien noch stärker in die täglichen Abläufe integriert sein, als das jetzige Modell. Um seinen Vision zu veranschaulichen, führt Godin einige absichtlich zusgespitze Beispiele wie dieses an:

I’m about to buy something from a vendor (in a store with a smart card or online). At the last minute, Web4 jumps in and asks if I want it cheaper, or if I want it from a vendor with a better reputation. Not based on some gamed system, but based on what a small trusted circle believes.

Der Preis, der für diese Rundum Vernetzung bezahlt werden muss, ist ein fortschreitender Verlust an Privatsphäre (und wahrscheinlich auch an Privatleben). In Web 4 bedeutet Social Networking auch nicht mehr große Communities wie bei Web 2.0, sondern kleine, qualitativ hochwertige und intensive Verbindungen zu Kollegen, die auf Vertrauen und Respekt gründen:

LinkedIn tends to make networks that are sprawling and weak. Web4 is about smaller, far more intense connections with trusted colleagues and their activities. It’s a tribe.

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Geek Urlaub inclusive Hotspots

Wer auch im Urlaub nicht auf Laptop und Online-Zugang verzichten kann, für den hat Geek About.com eine Liste mit den 10 Top Stränden der Welt zusammengestellt, die über Wireless Internet Zugang verfügen.

Ob ein 24/7 Anschluss der Erholung wirklich dienlich ist und Laptops Sand und Sonne genauso zu schätzen wissen, wie ihre Besitzer…?

Wie auch immer… Für alle, die sich in absehbarer Zeit keinen ausgedehnten Urlaub leisten können, gibt es als kleinen Trost cafespots.de, ein Google Maps Mashup, das Cafés mit kostenlosen! WLAN Hotspots in Deutschland listet.

[via Google Maps Mania]

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Die 10 besten Intranets 2007 – hyped by Web 2.0

Vor kurzem stellte Usability Guru Jakob Nielsen die 10 besten Intranets 2007 vor. Im zugehhörigen Newsletter Beitrag gibt Nielsen einen Überblick und geht die wichtigsten Aspekte durch. Wer die Entscheidungen im Detail nachvollziehen will, muss sich den 360 seitigen Report mit seinen insgesamt 199 Screenshots kaufen.

Was sich wie ein roter Faden durch den ganzen Beitrag zieht, ist seine ablehnende Haltung gegenüber Web 2.0 bzw. Social Web Ansätzen, die er mit süffisant-ironischen Bemerkungen zu unterstreichen sucht. Web 2.0 und alles, was damit zu tun hat, wird fast zwanghaft zwangsläufig mit den Prädikaten “over-hyped” oder zumindest “hyped” versehen.

Das fängt bereits in der Einleitung an:

This year’s winners emphasized an editorial approach to news on the homepage. They also took a pragmatic approach to many hyped “Web 2.0″ techniques.

und kulminiert schließlich in dieser Einschätzung:

Intranets tend to avoid the over-hyped fads that wash across the Web. Several winners have weblogs this year, but the blogs are restrained, emphasizing useful information instead of “what I did on my last date.”

Die Zitate sprechen eigentlich für sich. Ob man diesen Aussagen nun zustimmt oder sie eher als tendenziös einstuft, ist eine Frage der eigenen Einstellung zu diesem Thema.

So sehr sich Nielsen allerdings bemüht, Web 2.0 Technologien zu diskreditieren, kommt er dennoch nicht umhin, die zunehmende Infiltration der Intranets mit Blogs, Wikis oder AJAX zu konstatieren. Und irgendwie schafft er es, sich ständig zu konterkarieren:

Many intranets have long offered news feeds, but this year’s winners have taken extra steps to make their news offerings more relevant to employees, both for internal news and for industry-related external news. Labeling and categorization are more extensive than before, and several intranets let users rate and comment on stories.

Ajax was widely used this year, but – fittingly for intranets – it’s applied as an add-on feature that’s integrated into useful contexts as opposed to being used for its own sake.

Microsoft even has a blog for its intranet’s managing editor to discuss features and news coverage.

The employee directory search (the people finder) is a killer app on most intranets. Microsoft uses the over-hyped Internet concepts of social networking and degrees of social distance in a pragmatic manner to make its employee search even better, sorting results by degree of distance from the user. Often, it makes sense that users would want to find people closely related to them; such sorting can be very helpful in a big organization where many people may have similar names or the same job titles.

Is there anything more hyped than wikis? We started to see some wiki use on intranets in 2005, and this year National Geographic Society employs many wikis in a highly useful manner. Is there anything more pragmatic than an acronym explainer? Internet hype meets intranet utility in National Geographic’s NG Lingo wiki, which explains the Society’s many internal acronyms and specialized terminology (“base camp” = the headquarters buildings). Such an intranet feature is especially helpful for new employees; this year’s winners included many more features to facilitate the “onboarding” (new employee) process.

Dem gibt es von meiner Seite nichts weiter hinzuzufügen.

[Anmerkung: Hervorhebungen in den Zitaten durch den Autor]

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Wikipedia Suche mit Google & Co

Vor drei Tagen wurde Wikiseek der Öffentlichkeit präsentiert. Die neue Suchmaschine durchforstet, wie in einem vorangegangenen Beitrag bereits dargestellt, Wikipedia sowie Seiten, auf die Wikipedia verweist.

Diese Konzentration und eine spezielle Kategorisierungs-Technologie sollen relevantere Ergebnisse liefern als die konventionellen Suchmaschinen, wie es auf dem Wired Blog Monkey Bites heißt:

Because Wikiseek only indexes Wikipedia and sites that Wikipedia links to, the results are less subject to the spam and SEO schemes that can clutter up Google and Yahoo search listings.

Im Nachhinein ist mir eingefallen, dass es eine Suchfunktion gibt, die eigentlich bei allen Suchmaschinen funktioniert und genau das leistet, was Wikiseek anstrebt – die Fokussierung auf Wikipedia.

Mit der Domain-Einschränkung lässt sich die Suchanfrage ganz simpel auf eine bestimmte Domain konzentrieren. Man setzt das Schlüsselwort “site”, gefolgt von einem Doppelpunkt vor die URL und gibt dann die eigentliche Suchanfrage ein, beispielsweise den Begriff “blog”, so dass die komplette Eingabezeile dann wie folgt aussieht: site:wikipedia.org blog

Sucheingabe

Die Einschränkung auf die Domain wikipedia.org liefert im Unterschied zu Wikiseek allerdings nur Ergebnisse von Wikipedia und nicht von Verweisseiten – Wikipedia pur also.

Um zu sehen, was herkömmliche Suchmaschinen mit Hilfe der Domain-Einschränkung im direkten Vergleich mit Wikiseek an Resultaten liefern, habe ich einen kleinen Test mit der Suchanfrage “blog” durchgeführt. Hier das Ergebnis:

Wikiseek beta | Eingabe: Blog

Google.com | Eingabe: site:wikipedia.org blog

Yahoo! Search | Eingabe: site:wikipedia.org blog

MSN Search | Eingabe: site:wikipedia.org blog

Ask.com | Eingabe: site:wikipedia.org blog

Abschließender Hinweis:

Wer die google-gestützte Wikipedia Suche nutzen will, dem stehen noch zwei weitere Möglichkeiten zur Verfügung:

1. Eine Schaltfläche in der Google Toolbar (Version 3)

2. Ein Gadget für Google Desktop (ab Version 4)

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Google, Yahoo und Microsoft Akquisitionen im Lauf der Zeit

Pete Abilla hat einen Ajax-basierten Zeitstrahl gebastelt, der die Übernahmen und Beteiligungen der großen Drei (Google, Yahoo, Microsoft) ab Anfang 2001 bis heute zeigt.

Halten sich die Aktivitäten bis Ende 2004 in einem noch recht übersichtlichen Rahmen, kommt ab 2005 deutlich Bewegung in’s Spiel.

Nebenbei: Der Macher des Zeitstrahls, Pete Abilla, dürfte wohl einer der wenigen Sterblichen sein, die ein Jobangebot des beliebtesten Arbeitgebers in den USA, sprich Google, abgelehnt haben.

[via Marketing Pilgrim]

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