Web 3.0 – Das Web des gesunden Menschenverstands?

Web 2.0 ist tot, es lebe Web 3.0! Der Begriff Web 3.0, der einen signifikanten Versionssprung suggeriert, das nächste große Ding sozusagen, wurde bereits des öfteren bemüht. Vor kurzem hat ihn John Markoff mit seinem Artikel “Entrepreneurs See a Web Guided by Common Sense” für die New York Times wieder einmal in den Ring geworfen. Wohl auf Grund der prominenten Platzierung löste er damit eine sehr lebhafte Debatte aus.

Markoff verwendet den Begriff Web 3.0 für die kommende, dritte Generation des Web, in der eine zusätzliche Ebene von Metadaten eingezogen wird, um intelligente Verknüpfungen über Inhalte und Bedeutungen herzustellen. Das Web soll dann weniger als Katalog, denn als intelligente Hilfe funktionieren, die präzise und detaillierte Antworten auf Fragen liefern kann.

But in the future, more powerful systems could act as personal advisers in areas as diverse as financial planning, with an intelligent system mapping out a retirement plan for a couple, for instance, or educational consulting, with the Web helping a high school student identify the right college.

Was Markoff als Web 3.0 verkaufen will, so der Tenor seiner zahlreichen Kritiker, läuft doch schon seit Jahren unter dem Begriff Semantic Web und Artificial Intelligence ist auch keine neue Erfindung.

Die folgende Auswahl an Beiträgen soll einen kleinen Einblick in den Stand der Diskussion geben:

Nicholas Carr, immer gut für eine kontroverse Aussage und ein bekennender Gegner von Web 2.0: “Personally, I’m overjoyed that Web 3.0 is coming. When dogcrap 2.0 sites like PayPerPost and ReviewMe start getting a lot of attention, you know you’re seeing the butt end of a movement.”

Mark Evans springt Markoff zur Seite und kontert Nicholas Carr’s Posting:
“Fortunately, the New York Times has come to the rescue of the restless Web elite by trumpeting the emergence of Web 3.0, which is described as the intelligent Web as opposed to the interactive Web.”

Alex Iskold hält sich raus und liefert pragmatisches Hintergrundwissen: “All agree however, that we will all be wonderfully more productive and simply happier when it [Web 3.0] arrives. Lets take a look at the ingredients, definitions and approaches to the Semantic Web so that we can recognize it when it is finally here.”

Robert Scoble wiederum legt seinen Beitrag komplett als Satire an und führt mit Web 2007 gleich den nächsten Hype ein: “So, tonight, we’re announcing Web 2007. It’s just like Web 2006 except it has more widgets. Works on Windows Vista (which will ship in 2007). Apple will make it better (they are shipping a new OS too).”

Ross Mayfield schließlich beurteilt den Begriff Web 2.0 schon kritisch, sieht aber komplett schwarz für Web 3.0: “Besides, Web 2.0 will be known as the name of a bubble. And 3.0 would only be a marketing disaster.”

Am Durchschnittsbürger wird diese Diskussion um die verschiedenen Versionsnummern des Web wahrscheinlich ziemlich spurlos vorbeigehen. Der Blogger John Cook ging in Seattle auf die Straße und sammelte Antworten auf die Frage: What is your definition of Web 2.0? Am besten gefiel mir diese:

Web 2.0? Web 2.0? I have heard that before. I think I have heard that somewhere. I think it costs money. I am not interested if it costs.

- Tracy Tame, a 59-year-old building inspector from Shoreline -

Eine Befragung in Deutschlands Fußgängerzonen würde wohl ähnliche Aussagen zu Tage fördern. Wie eine aktuelle und diesmal repräsentative Umfrage der Hamburger PR Agentur ZPR zu Akzeptanz und Verbreitung des Begriffs “Web 2.0″ herausfand, kennen ihn lediglich 6% der 16- bis 65-jährigen. Selbst bei dieser Gruppe gibt es aber noch deutliche Unklarheiten, was sich konkret dahinter verbirgt.

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